Stammzellen: Anwendung
in Medizin und Therapie

100 Millionen Menschen könnten von einer Stammzell-therapie profitieren, und das allein in den USA. Diabetes, Herzschwäche, Parkinson: Stammzellen sollen alles heilen oder zumindest lindern. Ob dies nun realistisch ist oder nicht, das Potenzial - und damit auch der Absatzmarkt - scheint gewaltig.
Embryonale Stammzelltherapie: Eine amerikanische Firma beginnt demnächst mit der ersten Studie.
Dabei ist die Stammzelltherapie bereits mehr als 40 Jahre alt: Die Knochenmark-Transplantation nutzte als Erste die Heilkräfte der Blut-Stammzellen, die Überlebenschancen bei Blutkrebs sind seitdem dramatisch gestiegen. Und vielleicht werden Knochenmark-Zellen bald auch bei anderen Krankheiten zum Einsatz kommen.
Stammzellen aus der Nabelschnur können das Knochenmark ersetzen, und so entdeckten kleine Firmen eine Marktlücke: Bei der Geburt eines Kindes kann man sich das Nabelschnurblut einfrieren lassen - als Vorsorge für
spätere Krankheiten. Schaden tut dies nicht, aber ob es auch sinnvoll ist, bleibt fraglich. Viele Mediziner raten jedenfalls eher davon ab.

Stammzellen und Medizin

Die zentralen Themen:

Auch die Stammzellen aus der Haut werden schon seit den 80er Jahren in der Klinik verwendet. Zellen aus einer kleinen Biopsie sind wachstumsfreudig genug, um genügend Haut für den ganzen Körper zu liefern; Patienten mit massiven Verbrennungen profitieren sehr davon. Blut, Knochenmark, Haut: Bislang sind es also nur adulte Stammzellen, die sich in der Medizin etabliert haben.
Aber wer dominiert in Zukunft die Stammzelltherapie - adulte oder embryonale Stammzellen? Beide Zelltypen haben ihre Vor- und Nachteile. Medizinischen Nutzen, ethische Akzeptanz und natürlich auch den Kostenfaktor gilt es gegeneinander abzuwägen - eine Antwort wird erst die Zukunft bringen.
Erstaunlicherweise hielten die großen Pharma-Unternehmen sich lange zurück; sie scheuten wohl das Risiko, eine derart umstrittene Technologie anzufassen. So treiben kleinere Firmen den Einsatz der embryonalen Stammzellen voran - um im Erfolgsfall von den Großen aufgekauft zu werden.
Die amerikanische Firma Geron hat die Nase vorn und wird nun mit klinischen Tests beginnen. Die Heilungskräfte der embryonalen Zellen stehen dabei noch nicht im Mittelpunkt: Zuerst gilt es auszuschließen, dass sie eine (Krebs-) Gefahr für die Patienten darstellen.
Und was ist den hochgelobten iPS-Zellen? Selbst bis zu den ersten Tests am Menschen wird es noch viele Jahre dauern, die Krebsgefahr ist bei ihnen noch größer als bei embryonalen Zellen. Doch iPS-Zellen könnten für die Entwicklung von Medikamenten höchst hilfreich sein; mit dieser Hoffnung werden in Deutschland gerade 80 Millionen Euro in ein Forschungs-Netzwerk investiert.
Wo es Geld zu verdienen gibt, sind natürlich auch Geschäftemacher nicht weit. Unseriöse Kliniken betreiben ihr Geschäft mit der Verzweiflung schwerkranker Menschen. Weltweit werden Stammzelltherapien mit fragwürdigem Nutzen angeboten, und viele Ärzte warnen dringend davor, auf sie hereinzufallen.
Nach Jahrzehnten der Grundlagenforschung drängen Stammzellen in die Medizin. Doch trotz all der reißerischen Schlagzeilen: Es werden noch viele Jahre vergehen, bis die neuen Stammzelltherapien im klinischen Alltag angekommen sind.