CAR-T-Zellen bekämpfen Krebs

     

Krebs ist oft für das Immunsystem unsichtbar - CAR-T-Zellen können ihn dennoch aufspüren und beseitigen. Schwere Nebenwirkungen bleiben jedoch ein großes Problem.

Blutkrebs-Patienten, von den Ärzten schon aufgegeben, gewinnen durch CAR-T-Zellen Jahre an zusätzlicher Lebenszeit1 - aus solchen Berichten werden in der Krebsmedizin Träume gemacht. Tatsächlich zeigten sich Experten von den ersten Studien beeindruckt2, und Investoren stecken Milliarden­beträge in Firmen, die diesen Traum verwirklichen wollen. Der erste Schritt ist getan: Ende August 2017 wurde in den USA mit Kymriah die erste CAR-T-Zelltherapie zugelassen.

CAR-T-Zellen gegen Krebs

CAR-T-Zellen enttarnen den Krebs

CAR-T-Zellen lösen ein zentrales Problem der Krebstherapie: Die Bekämpfung von Tumoren, die für das Immunsystem unsichtbar sind. Denn jeder Krebs entwickelt im Laufe der Zeit ein gute Tarnung, die in vor Angriffen schützt. Am Ende dieser Entwicklung - Immun-Editing genannt - sind die Immun­zellen weitgehend blind und der Krebs kann sich unbehelligt im Körper ausbreiten.

Forscher suchten lange nach Möglichkeiten, dem Immunsystem mehr Schlagkraft zu verleihen. Zwei Forschergruppen um die US-Amerikaner Steven Rosenberg3 und Carl June4 testeten dazu ein künstliches Molekül, das Teile von bis zu vier natürlichen Proteinen in sich vereinte - den chimeric antigen receptor, abgekürzt CAR.

Ansatz aus der Gentherapie

Damit der CAR wirksam werden kann, muss er erst Teil des Immun­systems werden. Dafür nutzten die Forscher einen Ansatz aus der Gentherapie: Sie isolierten eine bestimmte Sorte von Immunzellen - die T-Zellen - aus dem Körper der Patienten und pflanzten diesen das Gen für das CAR-Molekül ein. Diese CAR-T-Zellen werden im Labor vermehrt und schließlich dem Patienten zurückgegeben, um dessen Körper von Krebszellen zu befreien.

Der erste Versuch mit CAR-T-Zellen wurde im Jahr 2010 veröffentlicht, und seitdem wurden mindestens 14 weitere Studien fertig gestellt. Die Ergebnisse waren überwiegend positiv5. Dutzende weitere Studien sind bereits ange­laufen oder in Vorbereitung, vor allem in den USA. Aber auch in Deutschland kommt die Forschung mit den CAR-T-Zellen langsam in Gang.

Gefährlicher Zytokin-Sturm

Allerdings hat die Therapie mit CAR-T-Zellen massive Nebenwirkungen. Das Immunsystem reagiert oftmals so stark, dass sich eine Entzündung im ganzen Körper ausbreitet - ein sogenannter Zytokin-Sturm. Bei etwa einem Viertel der Patienten kann der Zytokin-Sturm so heftig ausfallen, dass sie auf die Intensivstation verlegt werden müssen. Sogar Todesfälle gab es schon zu beklagen. Doch eine Lösung zeichnet sich ab: Ein erprobtes Medikament, das bei Entzündungen eingesetzt wird, scheint in ersten Versuchen auch den Zytokin-Sturm zu beruhigen1.

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Ein weiterer Nachteil ist auch, dass viele Blutkrebs-Patienten wohl ihr Leben lang mit einer geschwächten Immunabwehr auskommen müssen. Bei den meisten bisherigen Studien konnte das CAR-Molekül nicht zwischen Krebszellen und den B-Lymphozyten des Immunsystems unterscheiden. Beide Zellarten werden unterschiedslos beseitigt - und den Patienten fehlt fortan der wichtige Schutz über Antikörper, für den B-Lymphozyten unbedingt notwendig sind. Doch auch dieses Problem ist lösbar, da eine Behandlung mit Antikörper-Präparaten die Immunschwäche lindern kann.

Auch die Kosten werden ein Problem darstellen. Bislang schlägt allein die Herstellung der CAR-T-Zellen mit etwa 50-70 000 Euro zu Buche6, und die erste zugelassene Therapie soll 475 000 US-Dollar kosten9. Experten hoffen jedoch, dass sie CAR-T-Zellen bald in automatisierten Prozessen erzeugen und die Kosten so spürbar senken können7.

Mehr als Blutkrebs?

Die meisten bisherigen Studien befassten sich mit Blutkrebs (vor allem der akuten und chronischen lymphatischen Leukämie5), doch grundsätzlich könnten CAR-T-Zellen jede Form von Krebs bekämpfen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Krebszellen eine geeignete Zielstruktur für das CAR-Molekül aufweisen. Erste Versuche bei einer Vielzahl von Krebsarten sind bereits angelaufen - darunter Tumore in Gehirn, Lunge, Niere, Haut, Darm, Eierstöcken und Bauchspeicheldrüse8. Die Erfolgsaussichten sind hierbei allerdings noch höchst ungewiss.

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Im Gegensatz zu anderen Immuntherapien (etwa den Checkpoint-Hemmern) befinden sich CAR-T-Zellen meist noch in der Versuchsphase, eine Behandlung ist nur an wenigen Forschungszentren möglich. Doch die beeindruckenden Erfolge haben dafür gesorgt, dass die Entwicklung mit Hochdruck voran getrieben wird. Zumindest in den USA wird die Hoffnung bald Wirklichkeit: Der Pharmakonzern Novartis wird bald CAR-T-Zelltherapie gegen die akute lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (B-ALL) auf den Markt bringen9.

1 Maude et al., Chimeric Antigen Receptor T Cells for Sustained Remissions in Leukemia, New England Journal of Medicine Oktober 2014 (link)
2 H. Ledford, T-cell therapy extends cancer survival to years, Nature, Dezember 2014 (link)
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Kurz und knapp 

  • das künstliche CAR-Molekül erkennt Strukturen auf Krebszellen
  • T-Zellen des Patienten werden mit dem CAR-Molekül ausgestattet, ähnlich wie bei einer Gentherapie
  • in ersten klinischen Studien waren CAR-T-Zellen bei Blutkrebs sehr erfolgreich
  • nachteilig sind jedoch schwere Nebenwirkungen, eine fortdauernde Immunsuppression und absehbar hohe Kosten
  • weitere Formen von Krebs sollen mit CAR-T-Zellen behandelt werden