Nabelschnurblut: Stammzellen
für jede Gelegenheit?
In Kürze
- Nabelschnurblut rettete viele Kinder mit Blutkrebs - und viele Ärzte hoffen auf mehr. Es soll in Zukunft auch bei anderen Krankheiten helfen: Diabetes, Herzinfarkt und Hirnschäden - die Liste ist lang und vielfältig. Warum gerade Nabelschnurblut? Eine der Antworten: Es enthält viele verschiedene Arten von Stammzellen - und jede könnte zur Reparatur eines anderen Gewebes beitragen.
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Stammzellen im Nabelschnurblut
Nabelschnurblut besteht zum größten Teil aus normalen Blutzellen, doch die Medizin interessiert sich vor allem für die verschiedenen Arten von Stammzellen.
- Die hämatopoetischen, blutbildenden Stammzellen sind die prominentesten Vertreter. Als enge Verwandte der Knochenmarkzellen können sie alle Bestandteile des Blutes erneuern - weiße und rote Blutkörperchen sowie Thrombozyten. Darauf baut die Behandlung von Blutkrebs: Nabelschnurblut-Stammzellen können das erkrankte Knochenmark des Patienten vollständig ersetzen und ein neues Blut- und Immunsystem aufbauen. Doch sie sind auch festgelegt auf Blutzellen - zu etwas anderem können sie nicht mehr werden.
- Wandelbarer sind da die sogenannten mesenchymalen Stammzellen1. Außer im Nabelschnurblut findet man sie noch in Knochenmark, Fettgewebe und vielen anderen Organen. Sie
- entwickeln sich zu einer Vielzahl von Zellarten - mit der Option, entsprechend viele Gewebe zu reparieren. Interessant ist dabei vor allem, dass aus ihnen Herzmuskelzellen entstehen können. Viele aktuelle klinischen Studien testen daher, ob Nabelschnurblut bei der Behandlung von Herzinfarkten hilfreich sein kann. Andere Studien erproben die Therapie von Hirnschäden, da aus mesenchymalen Stammzellen auch Nervenzellen entstehen können2.
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- im Nabelschnurblut finden sich mehrere Stammzellarten
- aus hämatopoetische Stammzellen entstehen alle Bestandteile des Blut- und Immunsystems
- mesenchymale Stammzellen werden u.a. zu Herzmuskel- und Nervenzellen
- unrestringierte somatische Stammzellen können sich zu fast allen Körpergeweben entwickeln
- aktuelle klinische Studien erproben nicht einzelne Stammzellarten sondern verwenden Nabelschnur-Vollblut
- Vor wenigen Jahren wurden im Nabelschnurblut auch pluripotente Stammzellen gefunden, die in Tierversuchen an der Bildung von Blut, Herz, Leber, Knochen, Knorpel und Gehirn beteiligt waren. Diese unrestringierten somatischen Stammzellen haben somit ein fast uneingeschränktes Entwicklungspotential. Doch noch weiß man nicht, ob sie sich auch bei der Therapie von Menschen bewähren können.
- Egal welche Sorte, Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben einen großen Vorteil: Sie sind noch sehr jung. Sie weisen also kaum Schäden am Erbgut oder Infektionen mit Viren auf - für die Behandlung von Patienten fast ideal. Doch da ist auch ein großer Nachteil: Aus der geringen Menge Nabelschnurblut (kaum mehr als 50 ml) lassen sich nur sehr wenige Stammzellen gewinnen. Und besonders für die Behandlung von erwachsenen Patienten kann man nie genug Stammzellen haben.
- Die einzelnen Stammzellarten im Nabelschnurblut lassen sich nur schwer voneinander trennen, und unvermeidliche Verluste bei der Aufreinigung lassen sie Zahl der wertvollen Zellen noch weiter schrumpfen. Eine Vermehrung im Labor ist zwar möglich, aber die Verfahren sind noch nicht so ausgereift, dass man sie bedenkenlos bei Patienten anwenden könnte. Daher benutzen fast alle bisherigen Studien unverarbeitetes Nabelschnurblut, das zum allergrößten Teil aus normalen Blutzellen besteht.
- Bei den meisten klinischen Studien weiß man also nicht, welche der Stammzellarten die beobachten Effekte verursachen - und man weiß auch nicht, wie sie es tun. Über das Experimentier-Stadium sind sie noch nicht heraus, und trotz mancher positiven Berichte mag sich vieles letztlich als wirkungslos erweisen. Es ist also unklar, ob diese Stammzellen jemals eine größere Rolle in der Medizin spielen werden. Sicher ist nur: Die Forschung wird sich noch lange mit Zellen aus dem Nabelschnurblut beschäftigen.
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1 Malgieri et al., Bone marrow and umbilical cord blood human mesenchymal stem cells: state of the art, Int J Clin Exp Med 2010, vol. 3, pp. 248-69 (link)
2 Arien-Zakay et al., Human Umbilical Cord Blood Stem Cells: Rational for Use as a Neuroprotectant in Ischemic Brain Disease, International Journal of Molecular Sciences 2010, vol. 11, pp. 3513-28 (link)
3 Kögler et al., A New Human Somatic Stem Cell from Placental Cord Blood with Intrinsic Pluripotent Differentiation Potential, Journal of Experimental Medicine 2004, vol. 200, pp. 123-35 (link)
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