Knochenmark-Transplantation:
Die erste Stammzelltherapie
In Kürze
- Vor mehr als 40 Jahren wurde erstmals ein Mensch mit Stammzellen geheilt. Die Therapie mit Knochenmark war damals ein Glücksspiel, nur wenige Patienten überlebten die Behandlung. Heute ist sie mit weltweit 50 000 Transplantationen im Jahr zur Routine geworden, und viele Leukämie-Kranke verdanken ihr das Leben. Experimentiert wird aber weiterhin, denn Knochenmark soll noch mehr Krankheiten heilen.
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Knochenmark-Transplantation
Stammzellentransplantation: Mit Hilfe von Knochenmark kann Blutkrebs geheilt werden.
- Das Jahr 1969 brachte den Durchbruch: In Seattle heilte der Arzt E.D. Thomas einen Blutkrebs-Patienten, indem er ihm das Knochenmark eines Verwandten einspritzte. Doch die Abstoßung durch das Immunsystem konnte man noch nicht beherrschen, und so nahmen nur wenige Patienten das fremde Knochenmark an und überlebten die Behandlung. Erst in den 80er Jahren war die Stammzellen-Transplantation wirklich ausgereift - und E.D. Thomas erhielt 1990 den Nobelpreis für Medizin.
- Die Knochenmark-Transplantation ist ein drastischer Eingriff: Zuerst wird das eigene Knochenmark vollständig entfernt - mit Hilfe von radioaktiver Bestrahlung und einer aggressiven Chemotherapie. Ansonsten könnte das alte Immunsystem das neue Knochenmark abstoßen. Damit das transplantierte Knochenmark nicht seinerseits den Patienten
- angreift, muss der Spender sehr sorgfältig ausgesucht werden. Und auch die Wochen nach der Stammzellentransplantation sind eine kritische Zeit, da der Patient kaum eigene Blutzellen hat und sehr anfällig für Infektionen ist. Doch wenn alles gut geht, regenerieren die transplantierten Stammzellen das Blut und produzieren neue und gesunde Zellen.
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Mehr zu diesem Thema
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- eine Knochenmark-Transplantation wurde erstmals vor 42 Jahren durchgeführt: Sie ist damit die erste Stammzelltherapie
- die Transplantation der Stammzellen hat die Überlebensrate bei Blutkrebs wesentlich gesteigert
- es wird intensiv daran gearbeitet, die Knochenmark-Transplantation auch bei anderen Krankheiten anzuwenden
- Blutkrebs ist heute in vielen Fällen heilbar, und dazu hat auch die Knochenmark-Transplantation beigetragen2. Noch in den 70er Jahren war Leukämie bei Kindern ein fast sicheres Todesurteil, nun liegt die Überlebensrate bei immerhin 80 %.
- Und es besteht die Hoffnung, dass Stammzellen aus dem Knochenmark auch andere Krankheiten heilen können. Herzinfarkt und Gefäßkrankheiten stehen im Fokus der Mediziner3. Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings noch nicht eindeutig, und selbst im besten Fall blieb der Heilungserfolg eher klein.
- Auch wenn Immunzellen das eigene Körpergewebe angreifen, kann die Transplantation von Knochenmark hilfreich sein. Erste Studien bei den Autoimmunerkrankungen multipler Sklerose, Sklerodermie und Lupus erythematodes zeigten zum Teil ermutigende Ergebnisse. Doch die Entwicklung geht nur schleppend voran, da viele Ärzte und Patienten vor den Risiken der Chemotherapie zurückschrecken4.
- Einen Hoffnungsschimmer bietet die Knochenmark-Transplantation bei der Schmetterlingshaut, einer furchtbaren Erbkrankheit. Betroffene Kinder reagieren schon auf kleinste Berührungen mit schmerzhaften Blasen und Wunden, die ihr kurzes Leben zur Qual machen. Die Risiken sind enorm, zwei Kinder verstarben in der ersten Studie. Doch bei dieser Erkrankung gibt es keine Alternativen5.
- Das Potential der adulten Stammzellen aus dem Knochenmark scheint noch nicht ausgeschöpft. Doch trotz hoffnungsvoller Ansätze wird man auf neue Therapien noch einige Zeit warten müssen. Bei der Behandlung von Blutkrebs hat dies Jahrzehnte gedauert.
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1 J. Gmür, 30 Jahre Knochenmark-Transplantation
(link)
2 Gooley et al., Reduced Mortality after Allogeneic Hematopoietic-Cell Transplantation,NEJM 2010, vol. 363 pp. 2091-101 (link)
3 A. Trounson, New perspectives in human stem cell therapeutic research, BMC Medicine 2009, vol. 7 pp. 29-33 (link)
4 J. Couzin-Frankel, Replacing an Immune
System Gone Haywire, Science 2010, vol. 327, pp. 772-4
(link)
5 Wagner et al., Bone Marrow Transplantation for Recessive Dystrophic Epidermolysis Bullosa, New England Journal of Medicine 2010, vol. 363 pp. 629-39 (link)
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