Stammzellentherapie: Kaum
Fortschritt bei adulten Zellen

In Kürze
Adulte Stammzellen haben sich bereits seit Jahrzehnten in der Medizin als Lebensretter erwiesen. Das nährt die Hoffnung, dass adulte Zellen noch mehr Krankheiten heilen können. An neuen Stammzelltherapien wird daher eifrig geforscht - doch greifbare Erfolge blieben bislang aus.
Knochenmark enthält unterschiedliche Stammzell-Typen, die sich zu unterschiedlichen Geweben entwickeln.
Bei der Entwicklung von neuen Stammzellentherapien werden häufig Stammzellen aus dem Knochenmark eingesetzt.
Eine leicht zugängliche Quelle ist Voraussetzung, damit eine Stammzelltherapie sich im medizinischen Alltag durch­setzen kann. Daher wundert es nicht, dass vorhandene Therapien vor allem auf Zellen aus Knochenmark und Haut basieren. Die Behandlung von Blutkrebs und schweren Verbrennungen ist ohne sie kaum noch denkbar. Auch Zellen aus dem Nabelschnurblut finden vermehrt Anwendung.
Aus diesem Grund eignen sich adulte Stammzellen kaum für neurologische Erkrankungen. Man kann aus einem erwachsenen Gehirn nicht Stammzellen entnehmen, ohne es schwer zu schädigen. Experimentelle Studien, etwa für die Parkinson-Krankheit, werden daher vor allem mit fetalen Stammzellen durchgeführt.
Hauptquelle für adulte Stammzellen ist weiterhin das Knochenmark - auch bei den neuen, experimentellen Stamm­zell­therapien1. Denn neben blutbildenden Zellen finden sich dort weitere Stammzell-Typen: Mesenchymale Stammzellen können sich zu Knochen- und Muskelgewebe entwickeln, und aus endothelialen Vorläuferzellen entstehen neue Blutgefäße. Unzählige Studien mit tausenden Patienten erforschen das Potential dieser Zellen. Zum Vergleich: Bei embryonalen Zellen gibt es bislang nur drei Studien mit insgesamt 34 Patienten.

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In Kürze

  • die Entwicklung neuer Stammzellentherapien mit adulten Zellen konzentriert sich auf das Herz-Kreislauf-System
  • häufig wird Knochenmark als Quelle verwendet, da es unterschiedliche Stammzell-Typen enthält
  • bislang haben alle Stammzellentherapien nur marginale Verbesserungen gebracht
Adulte Stammzelltherapien werden vor allem für Herz­infarkt und chronische Herzschwäche entwickelt - sie bilden die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Medikamente haben in diesem Bereich versagt: Die Pharmaindustrie hat bereits mehr als 1000 potentielle Wirkstoffe getestet - quasi alle sind durchgefallen.
Schon 2002 hat ein führender Experte diesen Ansatz für gescheitert erklärt, und die Entwicklung seither hat ihm Recht gegeben3. Daher stürzen sich Herz­mediziner mit so großer Hoffnung auf die Stammzell­therapie: Sie haben keine Alternativen.
Hunderte klinische Studien haben sich in den letzten Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Viele, wenn auch nicht alle, haben positive Resultate erbracht - aber die Verbesserungen blieben marginal. Die Pumpleistung des Herzens wurde gerade einmal um wenige Prozentpunkte verbessert.
Die Herausforderungen sind allerdings gewaltig: Eine Milliarde Zellen sterben während eines Infarkts und müssen möglichst schnell ersetzt werden. Das Herz allein ist dazu nicht in der Lage. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf den dem Anteil der Knochen­mark­zellen, die eine Neubildung von Gefäßen vorantreiben können.
Doch Vorläufer von Blutgefäßen sind selten und schwer aufzureinigen. Auch erreichen nur die wenigsten nach Injektion in den Patienten das Herz, und dort sterben sie auch bald wieder ab. In dieser kurzen Zeit setzen sie jedoch Wachstums­faktoren frei, die vermutlich für die geringfügigen Verbes­serungen verantwortlich sind2. Aber ein wirklicher Neuaufbau von Herzgewebe findet nicht statt. Der große Durchbruch - obwohl sehnlichst erwartet - lässt noch auf sich warten1.
Bei Hirn-Schäden sollen Zellen aus dem Nabelschnurblut helfen4. Kleinere Pilot-Studien testen diese Stammzelltherapie an Kindern aus, aber noch ist man weit davon entfernt, die Wirksamkeit beurteilen zu können.
Die Therapie anderer Organe ist noch weiter vom Erfolg entfernt. Bei Lungen- und Darmkrankheiten gibt es zwar viel­versprechende Tierversuche, aber Studien am Menschen lassen sich noch an einer Hand abzählen. Eine Therapie von Diabetes könnte sogar grundsätzlich unmöglich sein: Geeignete Stamm­zellen sind extrem selten - falls es sie denn überhaupt gibt5.
Adulte Stammzelltherapien sind eine der großen Hoffnungen der Medizin. Doch trotz der unbestrittenen Vorteile dieser Zellen: Greifbares ist noch nicht in Sicht. Wer auf den entscheidenden Fortschritt wartet, muss noch sehr viel Geduld mitbringen.
1 Alaiti et al., Bone marrow and circulating stem/progenitor cells for regenerative cardiovascular therapy, Translation Research 2010, vol. 156, pp. 112-29 (link)
2 Mignone et al., A Repair "Kit" for the Infarcted Heart, Cell Stem Cell 2011, vol. 8, pp. 350-2 (link)
3 Lionetti et al., New therapies for the failing heart: trans-genes versus trans-cells, Translation Research 2010, vol. 156, pp. 130-5 (link)
4 Copeland et al., Human umbilical cord blood stem cells, myocardial infarction and stroke, Clinical Medicine 2009, vol. 9, pp. 342-5 (link)
5 L.C. Murtaugh, Stem Cells and ß Cells: The Same, but Different?, Cell Stem Cell 2011, vol. 8, pp. 244-5 (link)
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