Luxturna - Gentherapie gegen frühkindliche Erblindung

     

Die Gentherapie Luxturna kann eine Form der Erblindung lindern, die durch einen Defekt in dem Gen RPE65 verursacht wird. Die Behandlung bringt spürbare Verbesserungen, von einer Heilung ist sie aber weit entfernt.

In den USA könnte bald die erste Gentherapie gegen eine seltene Form der Erblindung zugelassen werden. Luxturna transportiert eine korrekte Version des Gens RPE65 in die Netzhaut der Augen, um den Verfall des Gewebes zu stoppen und die Sehfähigkeit zumindest teilweise wieder herzustellen.

Luxturna

Im Oktober 2017 wurde der erste Schritt getan: Ein unabhängiges Expertengremium hat einstimmig die Zulassung befürwortet. Die endgültige - und aller Voraussicht nach positive - Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA wird für Januar 2018 erwartet.

Auch in Europa hat der Hersteller Spark Therapeutics bereits die Zulassung beantragt. Wann die europäische Arzneimittelbehörde EMA ihre Entscheidung verkündigt, ist allerdings noch unklar.

Die Krankheit - frühkindliche Netzhautdystrophie aufgrund von Mutationen im RPE65-Gen

In Deutschland leiden etwa 200 Patienten unter einer erblichen Form der Erblindung, die sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar macht1. Zu den ersten Symptomen zählen eine ausgeprägte Nachtblindheit. Die Sehschärfe im Hellen ist beeinträchtigt, und im Laufe der Jahre verengt sich das Sehfeld immer stärker (Tunnelblick). Viele Betroffene erblinden im Alter von etwa 20 Jahren vollständig.

Die Erbkrankheit wird durch einen Defekt im Gen RPE65 ausgelöst. Dieses ist vor allem im retinalen Pigmentepithel der Augennetzhaut aktiv, wo es ein Enzym produziert, das die Funktion des Sehpigments Rhodopsin aufrecht erhält. Der Verlust des Enzyms führt langfristig zu schweren Gewebeschäden, die schließlich zu vollkommener Erblindung führen können.

- Anzeige -

Die Erkrankung wird - abhängig vom Verlauf - als Lebersche Kongenitale Amaurose oder als Retinitis pigmentosa diagnostiziert. Allerdings ist nur ein Teil dieser Erkrankungen (zwischen 2 und 16 %) durch Defekte im Gen RPE65 verursacht. Mehr als 30 unterschiedliche RPE65-Mutationen kommen als Ursache in Frage.

Der Erfolg - verbesserte Sicht, aber keine Heilung

Luxturna wird mit einer Kanüle unter die Netzhaut der Augen injiziert. Ein verändertes Virus (AAV-Vektor) transportiert dann eine korrekte Kopie des RPE65-Gens in die Zellen des retinalen Pigmentepithels. Die Gen-Kopie wird aktiviert und produziert ein Enzym, das im besten Fall die normale Funktion der Zellen wieder herstellt.

In klinischen Studien wurde Luxturna bislang an 41 Patienten getestet. Bei den meisten Teilnehmern verbesserte sich die Sicht in der Dunkelheit deutlich, zudem gelang es ihnen besser, sich bei schlechten Lichtverhältnissen in einem Hinderniskurs zu orientieren2. Die Behandlung hatte jedoch keine signifikanten Auswirkungen auf die Sehschärfe im Hellen. Insgesamt hat sich die Lebensqualität der meisten Patienten spürbar verbessert, von einer vollständigen Heilung ist Luxturna aber weit entfernt.

Newsletter Gentherapie
Zwei Therapien mit CAR-T-Zellen zugelassen, Erfolg bei Parkinson und eine Gentherapie über die Haut...

Newsletter ▶

Unklar ist noch, wie lange die Wirkung der Therapie anhält. Eindeutig belegt ist nur ein Zeitraum von einem Jahr - so lange konnten die Teilnehmer der größten Studie bislang beobachtet werden. Frühere, kleinere Studien deuten an, dass der Effekt mindestens drei Jahre lang anhält. Endgültige Aussagen werden wohl in erst in einigen Jahren möglich sein.

Die Nebenwirkungen - fast keine

Bislang traten bei den insgesamt 41 Patienten keine Nebenwirkungen auf, die auf den Einsatz des AAV-Vektors zurückführen sind. Unerwünschte Immunreaktionen blieben ebenfalls aus. Allerdings hatten einige Patienten unter den Nachwirkungen des operativen Eingriffs zu leiden, meist unter leichten Entzündungen oder Irritationen der Augen und des Bindegewebes sowie unter erhöhtem Augeninnendruck. In den meisten Fällen haben sich die Symptome vollständig zurück gebildet.

Die Entwicklung - über 20 Jahre zum Ziel

Die Entwicklung von Luxturna startete vor über 20 Jahren an der Universität von Philadelphia, Pennsylvania. Ein Team, zu dem auch die Wissenschaftlerin Katherine High gehörte, entwickelte den AAV-Vektor und testete diesen zuerst in Tierversuchen. Im Jahr 2007 war die Forscher soweit, die Therapie erstmals am Menschen zu testen: Die Ergebnisse waren ermutigend. Katherine High gehörte im Jahr 2013 auch zu den Mitgründern der Firma Spark Therapeutics, welche die klinischen Studien weiter vorantrieb. Die Zulassung von Luxturna wird aller Voraussicht nach im Januar 2018 verkündet.

Die Kosten - bis zu einer Million US-Dollar?

Da die Gentherapie Luxturna noch nicht auf dem Markt ist, kann über den Preis derzeit nur spekuliert werden. Angesichts der langen Entwicklungszeit und der kleinen Zahl von Patienten ist aber davon auszugehen, dass er sehr hoch sein sind. Analysten rechnen mit Kosten von bis zu einer Million Dollar für die Behandlung beider Augen.

- Anzeige -
1 Lorenz et al., Informationen zu den ersten klinischen Versuchen zur Behandlung von RPE65-/- Patienten durch AAV vermittelte Gentherapie in den USA und England,, Universität Gießen, 2008 (link)
2 Russell et al., Efficacy and safety of voretigene neparvovec (AAV2-hRPE65v2) in patients with RPE65-mediated inherited retinal dystrophy, Lancet 2017 (link)

Luxturna

Ein veränderter Virus transportiert das korrekte RPE65-Gen in das Auge, um eine erbliche Netzhautdegeneration zu heilen.

Mehr...

  • Gentherapie - Das stille Comeback einer Hoffnung mehr...
  • Gen-Scheren: Präzision für die Gentherapie mehr...
  • Gentherapie: Gen-Scheren gegen AIDS und Blutkrebs mehr...
  • Gentherapien: Warum dauert die Entwicklung so lange? mehr...
  • Gentherapie Strimvelis - Hoffnung für todkranke Kinder mehr...
  • Glybera - erste Gentherapie bereits gescheitert mehr...
  • Gentherapien sollen das Herz stärken mehr...
  • Gentherapie für Parkinson und Alzheimer mehr...
  • Viren transportieren Gene - und heilen Krankheiten mehr...
  • Was kostet die Gentherapie? mehr...

Häufig besucht

zellstoff - der Blog

14. Dezember
Gene Drive: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben
Ein Gene Drive könnte Neuseeland von invasiven Arten befreien, aber das Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung ist hoch.
mehr...

Kurz und knapp 

  • ein Defekt im Gen RPE65 verursacht eine fortschreitende Erblindung, die im frühen Kindesalter startet
  • ein Teil der Erkrankungen bei Retinitis pigmentosa und der Leberschen Kongenitalen Amaurose sind durch RPE65-Mutationen bedingt
  • eine wirksame Behandlung gibt es bislang nicht
  • die Gentherapie Luxturna nutzt einen AAV-Vektor, um eine korrekte Kopie des RPE65-Gens in das Auge einzuschleusen
  • Luxturna kann das Dunkelsehen wesentlich verbessern, stellt aber die Sehfähigkeit nicht vollständig wieder her
  • Luxturna wird voraussichtlich im Januar 2018 in den USA zugelassen