Yescarta: CAR-T-Zellen bekämpfen B-Zell-Lymphome - wissensschau.de

     

In den USA sind CAR-T-Zellen seit Oktober 2017 für die Behandlung von B-Zell-Lymphomen zugelassen. Etwa ein Drittel der Patienten kann darauf hoffen, den Krebs langfristig zu besiegen.

Ein künstlicher Rezeptor ermöglicht die Bekämpfung von Krebs: CAR-T-Zellen entstehen aus körpereigenen Immunzellen, die im Labor gentechnisch verändert werden. Erfolgreich sind sie vor allem bei der Therapie von Leukämien und Lymphomen, die von bösartig veränderten B-Zellen ausgehen.

Yescarta

Yescarta ist die zweite CAR-T-Zelltherapie, die in den USA zugelassen wurde.

Im Oktober 2017 hat die US-Arzneimittelbehörde zum zweiten Mal eine CAR-T-Zelltherapie für den amerikanischen Markt zugelassen (die erste war Kymriah). Hersteller ist der US-Konzern Gilead, der die Therapie namens Yescarta (axicabtagene ciloleucel) für die Behandlung von B-Zell-Lymphomen anbieten darf. Eine Zulassung in Europa könnte in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 erfolgen.

Die Krankheit: B-Zell-Lymphome

In Deutschland erkranken etwa 16 000 Menschen jährlich an Non-Hodgkin-Lymphomen, die durch eine krankhafte Veränderungen im Lymphgewebe hervorgerufen werden. Die Ursachen sind vielfältig, in den meisten Fällen sind aber die B-Zellen des Immunsystems beteiligt. Das Lymphom trifft meist ältere Erwachsene, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren.

Die Behandlung erfolgt meist, je nach Schwere der Erkrankung, durch eine Strahlen- oder Chemotherapie. Die Aussichten sind eher gut, über 60 % der Betroffenen überleben länger als fünf Jahre1. Bei einem Rückfall verschlechtern sich die Heilungschancen jedoch rapide, und nur für diese Fälle ist Yescarta zugelassen: Die Patienten dürfen nicht auf Standardtherapien ansprechen oder bereits zwei Rückfälle erlitten haben2.

Der Erfolg - etwa ein Drittel darf hoffen

Yescarta wird aus den T-Zellen des Immunsystems hergestellt, die eigens für jeden Patienten aus dessen Blut isoliert werden. Die Zellen werden durch gentechnische Methoden mit einem künstlichen Rezeptor ausgestattet, der CAR genannt wird. Der CAR erkennt den Krebsmarker CD19 und hilft den Immunzellen, die Lymphome wirksam zu bekämpfen. Die CAR-T-Zellen werden für wenige Wochen im Labor vermehrt und dann den Patienten zurückgegeben.

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Die Erfahrungen mit Yescarta sind noch begrenzt und beschränken sich im wesentlichen auf eine klinische Studie mit 101 Teilnehmern3. Etwa 8 von 10 Patienten reagierten auf die Therapie, aber nur bei etwa einem Drittel wurde das Lymphom vollständig zurückgedrängt. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer dieser Studie war mit knapp neun Monaten allerdings noch sehr kurz.

Die Nebenwirkungen - ein lebensbedrohlicher Zytokinsturm

Wie bei allen Therapien mit CAR-T-Zellen löst die Anwendung von Yescarta schwere Nebenwirkungen aus. Mindestens einer von 10 Patienten leidet unter einem sogenannten Zytokinsturm, einer schwerer Entzündungsreaktion, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Zudem müssen 3 von 10 Patienten mit neurologischen Problemen rechen, 4 mit einer Blutarmut und 7 mit einem Mangel an weißen Blutzellen.

Im Rahmen einer klinischen Studie kam es zu mindestens zwei Todesfällen, die direkt auf den Einsatz von Yescarta zurückzuführen sind. In fast allen anderen Fällen konnten diese Nebenwirkungen jedoch ohne bleibende Schäden überwunden werden.

Die Entwicklung - 12 Milliarden US-Dollar für eine kleine Firma

Die Ursprünge von Yescarta gehen auf CAR-T-Zellen zurück, die in den 1990er Jahren an den nationalen Krebsinstituten der USA entwickelt wurden. Maßgeblich beteiligt waren anfangs der israelische Forscher Zelig Eshhar und der US-Amerikaner Steven Rosenberg.

Im Jahr 2009 wurde in Kalifornien das Unternehmen Kite Pharma gegründet, das auf dieser Grundlage eine klinische Anwendung für Lymphome und Leukämien entwickelte. Im Jahr 2018 - kurz vor der Zulassung von Yescarta - wurde Kite Pharma für fast zwölf Milliarden US-Dollar von dem Pharmakonzern Gilead übernommen.

Die Kosten - 373 000 US-Dollar

373 000 US-Dollar soll die Therapie mit Yescarta in den USA kosten. Der hohe Preis erklärt sich zum Teil durch die aufwändige Herstellung, für die allein etwa 50 000 US-Dollar pro Therapie aufzubringen sind. Zudem waren die Entwicklungskosten sehr hoch und müssen von einer relativ kleinen Zahl von Patienten getragen werden.

Der Preis von Yescarta liegt unter dem von Kymriah, welches allerdings auch eine deutlich höhere Erfolgsquote hat. Die Erstattung von Kymriah ist zudem teilweise an den Erfolg der Therapie gekoppelt, was für Yescarta nicht vorgesehen ist. Zwei von drei Patienten werden daher voraussichtlich diese Summe für eine Therapie ausgeben müssen, die ihnen nicht hilft.

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1 Zentrum für Krebsregisterdaten, Non-Hodgkin-Lymphome, abgerufen Oktober 2017 (link)
2 Pressemitteilung der FDA, FDA approves CAR-T cell therapy to treat adults with certain types of large B-cell lymphoma, 18. Oktober 2017 (link)
3 Pressemitteilung Kite Pharma, Kite Announces Positive Topline Primary Results of Axicabtagene Ciloleucel from First Pivotal CAR-T Trial in Patients with Aggressive Non-Hodgkin Lymphoma, 28. Februar 2017 (link)

Yescarta

Yescarta ist die zweite CAR-T-Zelltherapie, die in den USA zugelassen wurde.

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Kurz und knapp 

  • Non-Hodgkin-Lymphome treffen vor allem ältere Erwachsene
  • in 6 von 10 Fällen bieten Standardtherapien gute Aussichten für ein langfristiges Überleben
  • CAR-T-Zellen sind natürliche Immunzellen, die mit einem künstlichen Rezeptor ausgestattet werden
  • Yescarta ist eine CAR-T-Zelltherapie, die eine Behandlung von B-Zell-Lymphomen erlaubt
  • bislang ist Yescarta nur in den USA für die Behandlung von schweren Fällen zugelassen
  • nach Behandlung mit Yescarta hat etwa 1 von 3 Patienten gute Aussichten auf ein langfristiges Überleben
  • zu den schweren Nebenwirkungen von Yescarta gehören Zytokinstürme, Neurotoxizität und Anämien
  • die Kosten für Yescarta belaufen sich auf 373 000 US-Dollar pro Patient