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Nabel­schnur­blut spenden - öffentliche oder private Banken?

     

Nabel­schnur­blut heilt viele Krankheiten, eine Spende kann Leben retten. Aber wo einlagern? Die Entscheidung zwischen öffentlichen und privaten Nabel­schnurbanken sollte gut bedacht werden.

30 000 Patienten weltweit wurden bereits mit Nabel­schnur­blut behandelt1, meist bei Blutkrebs und Erbkrankheiten. Ärzte sind sich einig, dass eine Einlagerung der wertvollen Nabel­schnur-Stammzellen sinnvoll ist. Doch werdende Eltern müssen zwischen zwei grundverschiedenen Möglichkeiten wählen - öffentlich oder privat?

Nabel­schnurbanken im Vergleich

Quelle: PGCB, Stand 2012/13

Verfügbarkeit und Kosten - in diesen Punkten bestehen die wichtigsten Unterschiede. Private Banken reservieren die Stammzellen aus der Nabel­schnur für das eigene Kind, die Eltern tragen jedoch die Kosten. Öffentliche Banken hingegen stellen das Nabel­schnur­blut der Allgemeinheit zur Verfügung, dafür bleibt die Einlagerung für die Spender kostenfrei.

Wer über die Einlagerung von Nabel­schnur­blut nachdenkt, muss sich also zuerst über den wichtigsten Punkt klar werden: Geht es vor allem um das eigene Kind, oder sollen alle profitieren? Darüber hinaus gibt es aber noch andere Aspekte zu bedenken.

Spenden bei öffentlichen Nabel­schnur­banken

In Deutschland gibt es momentan fünf öffentliche Banken, die Nabel­schnur­blut kostenlos einlagern. Finanziert werden sie durch Spenden und - falls eine Probe zur Transplantation angefordert wurde - durch Gelder aus den Krankenkassen. Eine Grund­finanzierung aus öffentlichen Geldern erfolgt nicht.

Die Folge ist ein chronischer Geldmangel. Öffentliche Banken sind daher in ihrer Kapazität stark beschränkt und können nur einen Bruchteil der Nabelschnurblut-Spenden annehmen. Die Nabel­schnur­bank in Hannover hat es sogar noch härter getroffen: Im Moment kann sie über­haupt keine neuen Spenden mehr einlagern.

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Wer das Nabel­schnur­blut einer öffentlichen Bank spendet, kann es nicht mehr zurückfordern - außer es wird dringend für eine Behandlung benötigt. Das geht allerdings nur, wenn die Spende nicht bereits für einen anderen Patienten verwendet wurde. In Ausnahmefällen sind auch "gerichtete Spenden" möglich: Ist etwa ein älteres Geschwisterkind bereits an Blutkrebs erkrankt, kann das Nabel­schnur­blut für die Therapie dieses Kindes reserviert werden.

Nicht jede Spende wird eingelagert

Die öffentlichen Nabel­schnurbanken kooperieren mit ausgewählten Kliniken in der Region: In diesen findet die Geburt und die Entnahme des Bluts statt, nur die Einlagerung erfolgt in den Banken selber. Auf den jeweiligen Internet-Auftritten werden Listen bereit gestellt, in denen die entsprechenden Kliniken aufgeführt sind (siehe rechts).

Öffentliche Banken lagern nicht jede Nabel­schnur­blut-Spende ein. Es gelten strenge Mindest­anforderungen, eine davon betrifft das Volumen der Bluts: Ist es zu gering, enthält die Spende auch zu wenig Stammzellen und ist für manche medizinische Zwecke ungeeignet. Manchmal weist nur eine von vier Proben die notwendige Qualität auf, um eingelagert zu werden4.

Private Nabel­schnur­blutbanken

Bei privaten Banken bleibt das Nabel­schnur­blut Eigentum der Spenderfamilie - sie übernehmen dafür die Kosten der Einlagerung. Die Entnahme ist meist deutschlandweit in einer Vielzahl von Kliniken möglich. In der Regel werden die Proben mindestens 20 Jahre lang aufbewahrt.

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Im Gegensatz zu öffentlichen Banken lagern private Anbieter praktisch jede Spende ein, auch wenn deren Volumen etwas geringer ausfällt. Die Standards bei der Aufbewahrung sind hoch - in Deutschland benötigt jeder Anbieter eine staatliche Zulassung.

Es gibt es etwa ein halbes Dutzend Nabel­schnurbanken, bei denen eine private Einlagerung von Nabel­schnur­blut möglich ist. Manche dieser Firmen verfolgen ein gemischtes Konzept: Das Blut bleibt Eigentum der Spender, die wichtigsten Eigenschaften werden aber in einer öffentlichen Datenbank hinterlegt. Meldet sich eine Klinik mit einem bedürftigen Patienten, können die Eltern frei entscheiden: Behalten sie das Blut für das eigene Kind oder spenden sie es dem Patienten und erhalten ihre Gebühren zurück.

Öffentliche Banken bei Therapien vorn

Private Banken haben weltweit bereits über 2,5 Millionen Proben von Nabel­schnur­blut eingelagert, in den öffentlichen lagert nur etwa ein Fünftel davon2. Doch bei den erfolgten Behandlungen dreht sich dieses Verhältnis um - das transplantierte Blut stammt fast immer aus öffentlichen Nabel­schnurbanken. Dies hängt damit zusammen, dass es im Augenblick kaum Anwendungen für Eigenspenden gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind das eigene Blut benötigt, schätzen Experten auf etwa 0,04 bis 0,005 %3.

Doch an neuen Therapien wird eifrig geforscht - das eigene Blut könnte bald wertvoll werden. Heute kann niemand genau voraussehen, wie sich das Feld in Zukunft entwickeln wird. Werdende Eltern, die über eine Einlagerung nachdenken,können sich daher nicht nur auf harte Fakten verlassen - ein bisschen Hoffnung und Spekulation ist auch beteiligt.

1 Butler et al., Umbilical cord blood banking: an update , J. Assist. Reprod. Gene.t 2011, vol. 28, pp. 669-76 (link)
2 Bone Marrow Donors Worldwide, abgerufen Oktober 2012 (link)
alle Referenzen anzeigen...

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Nabel­schnurbanken im Vergleich

In privaten Banken lagert mehr Nabel­schnur­blut, aber die Spenden in den öffent­lichen Banken ermöglichen die Mehr­zahl der Trans­plantationen (Quelle: PGCB, Stand 2012/13)
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Öffentliche Nabel­schnurbanken

Jose Carreras Stammzellbank
Düsseldorf (link)

DKMS Nabel­schnur­blutbank
Dresden (link)

Mannheimer Nabel­schnur­blutbank
Mannheim (link)

Universitätsklinikum Erlangen
Erlangen (Erlangen, Deutschland)

Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern
Gauting (link)

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