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Embryonale Stammzellen sind ethisch umstritten, aber leicht zu vermehren und sehr wandelbar.
- Trotz aller Proteste werden embryonale Stammzellen am Menschen getestet. Drei Studien mit zusammen 34 Patienten haben bereits eine Genehmigung erhalten, am 11. Oktober 2010 wurden dem ersten Menschen die Zellen ins Rückenmark gespritzt.
- Für die einen ist das der erste Schritt zur Heilung von Volkskrankheiten, für die anderen ist es ein ethisches Verbrechen. Die Emotionen schlagen hoch, und die sachlichen Argumente geraten schnell aus dem Blickfeld. Pro und Contra sind hier zusammengestellt (siehe auch Vorteile der adulten Stammzellen).
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Vorteile
1. Embryonale Stammzellen vermehren sich schnell
Will man Volkskrankheiten heilen, braucht man große Mengen von Stammzellen. Anders als adulte Zellen können embryonale Stammzellen fast unbegrenzt vermehrt und zu beliebigen Zellzahlen hochgezogen werden. Bislang ist die Kultur im Labor jedoch äußerst aufwändig, und automatisierte Techniken für eine quasi-industrielle Herstellung sind noch nicht entwickelt.2. Embryonale Stammzellen sind äußerst entwicklungsfähig
Da jede Körperzelle aus embryonalen Stammzellen entsteht, kann theoretisch auch jedes menschliche Organ mit diesen Zellen behandelt werden. Langsam wachsende Organe wie das Gehirn enthalten kaum adulte Stammzellen, deren Therapie ist im Moment nur mit embryonalen Stammzellen denkbar. Allerdings fehlt meist noch das nötige Wissen, um die korrekte Entwicklung von Gewebezellen im Reagenzglas nachzuvollziehen.3. Genetische Defekte sind auf ein Mindestmaß begrenzt
Im Erbgut einer Zelle sammeln sich im Laufe der Zeit Mutationen an, die langfristig Krebs verursachen können. Dies ist auch bei Stammzellen so, und daher gilt: je jünger, desto besser - und jüngere Zellen als embryonale Stammzellen gibt es nicht. Allerdings stellt sich auch hier ein Problem: Werden embryonale Stammzellen lange im Labor vermehrt, verändern sie sich ebenfalls. Daher brauchen Wissenschaftler regelmäßig den Nachschub von frischen Stammzell-Linien. -
Nachteile
1. Embryonale Stammzellen werden vom Körper abgestoßen
Jede körperfremde Zelle - dazu gehört auch die embryonale Stammzelle - wird vom Immunsystem erkannt und angegriffen. Mit entsprechenden Medikamenten ist dieses Problem beherrschbar, doch die Nebenwirkungen sind zum Teil erheblich. Nicht anders als bei einer Transplantation von Herz oder Niere ist dies mit beträchtlichen Einbußen an Lebensqualität verbunden.2. Embryonale Stammzellen sind im Körper kaum zu kontrollieren
Die Entwicklungsfähigkeit der embryonalen Stammzellen birgt auch ein Risiko: Sie bilden im Körper eine bestimmte Form von Krebs, Teratom genannt. Vor der Behandlung eines Patienten muss also sicher gestellt sein, dass jede einzelne Stammzelle sich schon in Richtung Gewebe entwickelt hat - ansonsten stellt sie eine Bedrohung dar1.3. Ethische Bedenken mindern die Akzeptanz
Menschliche Embryonen müssen für diese Zellen zerstört werden, was für viele gleichbedeutend ist mit der Zerstörung von menschlichem Leben. Und die Zahl der benötigten Embryonen könnte leicht in die Höhe schnellen: Voraussichtlich benötigt man eine Fülle von Stammzell-Linien, die zusätzlich noch regelmäßig erneuert werden müssen. Was das moralische Dilemma komplettiert: Dieser massenhafte Verbrauch von Embryonen würde der Pharma-Industrie beträchtliche Gewinne bescheren.1 Goldring et al., Assessing the Safety of Stem Cell Therapeutics, Cell Stem Cell 2011, vol. 8, pp. 618-28 (link)
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Kommentar
Unglaublich wandelbar und unbegrenzt zu vermehren - darauf gründen sich hochfliegende Träume. Doch die Realität ist deutlich nüchterner, und Probleme gibt es zuhauf.
Die ethische Kontroverse ist dabei das kleinste Hindernis, mit den ersten medizinischen Erfolgen wird sich die Mehrheit pragmatisch darüber hinwegsetzen. Viele technische Teilfragen aber haben das Potential, die ganzen Ambitionen zunichte zu machen. Und der Erfolg wird sich letztlich auch daran entscheiden, ob die pharmazeutische Industrie die Zellen massenhaft und kostengünstig herstellen kann.
Allzu viele Fragen bleiben noch unbeantwortet. Doch die Erwartungen sind so übersteigert, dass Enttäuschungen vorprogrammiert sind.