Adulte Stammzellen: Die wichtigsten Vor- und Nachteile

     

Adulte Stammzellen sind die Zukunft der Medizin - sagen vor allem die Kirchen und nahestehende Politiker. Wissen­schaftler hingegen begeistern sich eher für embryonale Stammzellen. Wer hat nun Recht?

Der jeweilige Standpunkt spiegelt oft auch das Eigeninteresse wieder: Die Kirchen verteidigen damit ihre Moral­vorstellungen, die Forscher treibt der Ehrgeiz, neue Technologien zu entwickeln.

Adulte Stammzelltherapie

Adulte Stammzellen: Patienten können mit körpereigenen Zellen behandelt werden, aber die sind zumeist rar.

Das Pro und Contra wird noch lange für Diskussionen sorgen - die Entwicklung der Stammzelltherapien wird sich über Jahrzehnte hinwegziehen. Die zentralen Argumente sind hier zusammengestellt (siehe auch Vorteile der embryonalen Stammzellen):

Vorteile

1. Die Therapie mit adulten Stammzellen ist erprobt und sicher

Die Transplantation von Knochenmark wird seit Jahr­zehnten in der Klinik angewandt, und die Erfahrungen sind ausgesprochen gut (die Abstoßungs­problematik mal ausgeklammert). Die Stammzellen selber stellen keine Erhöhung des Krebsrisikos dar, und eine unab­sichtliche Verschleppung von Krebszellen oder Infektionen kann fast ausgeschlossen werden. Man kann davon ausgehen, dass auch mit anderen adulten Stamm­zellen keine schwerwiegenden Probleme auftreten

2. Eigene Stammzellen können für die Therapie verwendet werden

Wenn es um Fragen der Sicherheit geht, sind eigene Stammzellen geradezu perfekt für Therapien: Sie werden nicht vom Immunsystem abgestoßen, und den Patienten bleibt eine lebenslange Behandlung mit Medikamenten erspart. Auch das Risiko von verschleppten Infektionen oder Tumoren kann ausgeschlossen werden.

3. Adulte Stammzellen sind ethisch nicht umstritten

Die Gewinnung von adulten Stammzellen löst keine Kontroversen aus - niemand hat etwas dagegen, wenn erwachsene Menschen freiwillig Gewebe spenden. In einer Gesellschaft, die den Konsens sucht, ein wichtiger Pluspunkt. Was aber meist verschwiegen wird: Besonders bei der Behandlung von Hirnerkrankungen werden die Stammzellen aus abgetriebenen Feten isoliert - adulte und fetale Stammzellen werden oftmals nicht streng unterschieden. Und wenn eine Abtreibung ins Spiel kommt, ist das Streitpotential wohl kaum geringer als bei embryonalen Stammzellen.

Nachteile

1. Adulte Stammzellen sind nicht für alle Körpergewebe praktikabel

Die Zahl der adulten Stammzellen ist meist verschwin­dend gering, vor allem in langsam wachsenden Organen. Da sich adulte Stammzellen nur schwer im Labor vermehren lassen, sind in der Regel zu wenig Zellen für eine Therapie verfügbar. Der Rückgriff auf Stammzellen aus abgetriebenen Feten könnte das Mengenproblem teilweise lösen, aber sicherlich eine ethische Debatte mit schwer vorhersehbarem Ausgang entfachen.

2. Adulte Stammzellen sind schwer zu gewinnen

Stammzellen sind mitten in die Körpergewebe ein­gebettet. Wenn man sie isolieren will, muss man das Organ zerstören - sicher nicht das Ziel einer medi­zinischen Behandlung. Nur die Stammzellen aus Knochen­mark, Blut und Haut sind leicht zu gewinnen, sie sind allerdings auch meist schon auf Blut- und Hautzellen festgelegt. Manche Knochen­markzellen können sich zwar noch zu anderen Geweben entwickeln, und erste Studien versuchen dies für die Medizin zu nutzen. Doch die Erfolgsaussichten lassen sich im Moment kaum vorhersagen.

3. In adulten Stammzellen sammeln sich Erbgutschäden an

Auch Stammzellen altern. Das Erbgut der Zellen wird ständig von aggressiven Substanzen angegriffen, und nicht jede Schädigung kann repariert werden. Daher sind alte Stammzellen weniger funktionstüchtig als junge, und auch die Krebs-Gefahr erhöht sich deutlich1. Ein optimaler Spender wäre also möglichst jung, doch die Rekrutierung von Kindern als Spendern ist wohl weder wünschenswert noch durchsetzbar.

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1 Brunet et al., Ageing: From stem to stern, Nature (2007), vol. 448, pp.288-291, (link)

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