Yescarta: CAR-T-Zellen bekämpfen B-Zell-Lymphome

Die Gentherapie Yescarta nutzt CAR-T-Zellen, um hartnäckige B-Zell-Lymphome zu bekämpfen. Etwa die Hälfte der Patienten kann darauf hoffen, mindestens zwei weitere Jahre zu überleben.

B-Zell-Lymphome können hartnäckig sein: Wenn die Standardtherapien nicht anschlagen, besteht für die Patienten nur wenig Hoffnung. In diesen schweren Fällen kann die Gentherapie Yescarta die Lebenserwartung deutlich erhöhen.

Yescarta

CAR-T-Zellen bekämpfen B-Zell-Lymphome
Yescarta ist die zweite CAR-T-Zelltherapie, die in den USA zugelassen wurde.

Im August 20184 erhielt der US-Konzern Gilead, der Hersteller von Yescarta, die Zulassung für den europäischen Markt. In den USA kostet die Therapie 373 000 US-Dollar, in Europa sind die Preisverhandlungen noch nicht abgeschlossen.

Die Krankheit: B-Zell-Lymphome

In Deutschland erkranken etwa 16 000 Menschen jährlich an Non-Hodgkin-Lymphomen, die durch eine krankhafte Veränderungen im Lymphgewebe hervorgerufen werden. Die Ursachen sind vielfältig, in den meisten Fällen sind aber die B-Zellen des Immunsystems beteiligt. Das Lymphom trifft meist ältere Erwachsene, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren.

Die Behandlung erfolgt meist, je nach Schwere der Erkrankung, durch eine Strahlen- oder Chemotherapie. Die Aussichten sind eher gut, über 60 % der Betroffenen überleben länger als fünf Jahre1. Bei einem Rückfall verschlechtern sich die Heilungschancen jedoch rapide, und nur für diese Fälle ist Yescarta zugelassen: Die Patienten dürfen nicht auf Standardtherapien ansprechen oder bereits zwei Rückfälle erlitten haben2.

Der Nutzen - mittlere Lebenserwartung von zwei Jahren

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Die Erfahrungen mit Yescarta sind noch begrenzt und beschränken sich im wesentlichen auf eine klinische Studie mit etwas über 100 Teilnehmern3. Etwa 8 von 10 Patienten reagierten zumindest teilweise auf die Therapie, bei etwa 6 von Patienten wurde das Lymphom vollständig zurückgedrängt. Die mittlere Lebenserwartung beträgt mehr als zwei Jahre - bei einer historischen Vergleichsgruppe waren dies nur sechs Monate.

Die Therapie - CAR-T-Zellen erkennen Lymphome

Yescarta (axicabtagene ciloleucel) wird aus den T-Zellen des Immunsystems hergestellt, die eigens für jeden Patienten aus dessen Blut isoliert werden. Die Zellen werden durch gentechnische Methoden mit einem künstlichen Rezeptor ausgestattet, der CAR genannt wird. Der CAR erkennt den Krebsmarker CD19 und hilft den Immunzellen, die Lymphome wirksam zu bekämpfen. Die CAR-T-Zellen werden für wenige Wochen im Labor vermehrt und dann den Patienten zurückgegeben.

Die Nebenwirkungen - ein lebensbedrohlicher Zytokinsturm

Wie bei allen Therapien mit CAR-T-Zellen löst die Anwendung von Yescarta schwere Nebenwirkungen aus. Mindestens einer von 10 Patienten leidet unter einem sogenannten Zytokinsturm, einer schwerer Entzündungsreaktion, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Zudem müssen 3 von 10 Patienten mit ernsthaften neurologischen Problemen rechen, 7 mit einer Blutarmut und 4 mit einem Mangel an weißen Blutzellen3.

Im Rahmen einer klinischen Studie kam es zu mindestens zwei Todesfällen, die direkt auf den Einsatz von Yescarta zurückzuführen sind. In fast allen anderen Fällen konnten diese Nebenwirkungen jedoch ohne bleibende Schäden überwunden werden.

Die Entwicklung - 12 Milliarden US-Dollar für eine kleine Firma

Die Ursprünge von Yescarta gehen auf CAR-T-Zellen zurück, die in den 1990er Jahren an den nationalen Krebsinstituten der USA entwickelt wurden. Maßgeblich beteiligt waren anfangs der israelische Forscher Zelig Eshhar und der US-Amerikaner Steven Rosenberg.

Im Jahr 2009 wurde in Kalifornien das Unternehmen Kite Pharma gegründet, das auf dieser Grundlage eine klinische Anwendung für Lymphome und Leukämien entwickelte. Im Jahr 2018 - kurz vor der Zulassung von Yescarta - wurde Kite Pharma für fast zwölf Milliarden US-Dollar von dem Pharmakonzern Gilead übernommen.

Die Kosten - 373 000 US-Dollar

Die Preisverhandlungen in Europa sind noch nicht abgeschlossen, aber in den USA kostet die Behandlung mit Yescarta 373 000 US-Dollar. Der hohe Preis erklärt sich zum Teil durch die aufwändige Herstellung, für die allein etwa 50 000 US-Dollar pro Therapie aufzubringen sind. Zudem waren die Entwicklungskosten sehr hoch und müssen von einer relativ kleinen Zahl von Patienten getragen werden.

Der Preis von Yescarta ist nicht an den Heilerfolg gekoppelt - im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt Kymriah, das seit Mai 2018 ebenfalls in den USA für Non-Hodgkin-Lymphome zugelassen ist. Zwei von drei Yescarta-Patienten werden daher voraussichtlich Geld für eine Therapie ausgeben müssen, die ihnen nicht hilft.

1 Zentrum für Krebsregisterdaten, Non-Hodgkin-Lymphome, abgerufen Oktober 2017 (link)
2 Pressemitteilung der FDA, FDA approves CAR-T cell therapy to treat adults with certain types of large B-cell lymphoma, 18. Oktober 2017 (link)
3 Locke et al., Long-term safety and activity of axicabtagene ciloleucel in refractory large B-cell lymphoma (ZUMA-1), Lancet Oncology, Dezember 2018 (link))
4 Pressemitteilung Gilead, Yescarta (Axicabtagene Ciloleucel) Receives European Marketing Authorization for the Treatment of Relapsed or Refractory DLBCL and PMBCL, 27. August 2018 (link)

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Kurz und knapp

  • Non-Hodgkin-Lymphome treffen vor allem ältere Erwachsene
  • in 6 von 10 Fällen bieten Standardtherapien gute Aussichten für ein langfristiges Überleben
  • CAR-T-Zellen sind natürliche Immunzellen, die mit einem künstlichen Rezeptor ausgestattet werden
  • Yescarta (axicabtagene ciloleucel) ist eine CAR-T-Zelltherapie, die eine Behandlung von B-Zell-Lymphomen erlaubt
  • bislang ist Yescarta nur in den USA für die Behandlung von schweren Fällen zugelassen
  • nach Behandlung mit Yescarta beträgt die mittlere Lebenserwartung etwa zwei Jahre
  • zu den schweren Nebenwirkungen von Yescarta gehören Zytokinstürme, Neurotoxizität und Anämien
  • die Kosten für Yescarta in den USA belaufen sich auf 373 000 US-Dollar pro Patient