Zolgensma - Gentherapie gegen spinale Muskelatrophie

Die Gentherapie Zolgensma bremst den Muskelschwund bei der spinalen Muskelatrophie. Im Mai 2019 könnte sie in den USA zugelassen werden.

Die spinale Muskelatrophie ist eine Erbkrankheit, die bereits im Kleinkindalter zum Tod führen kann. Die experimentelle Gentherapie Zolgensma verbesserte in ersten Studien die motorische Entwicklung und verlängerte das Leben der Betroffenen.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde entscheidet vermutlich im Mai 2019, ob Zolgensma für den US-Markt zugelassen wird. Ein Antrag auf Zulassung in der EU wurden noch nicht gestellt.

Zolgensma

Ein Adenovirus transportiert eine korrekte Version des Gens SMN1 in Motoneuronen

Die Krankheit - Verfall der Motoneuronen

Auslöser der spinalen Muskelatrophie (SMA) ist ein erblicher Defekt in dem Gen SMN1. Erbt ein Kind defekte Genkopien von beiden Elternteilen, können spezialisierte Nervenzellen im Rückenmark nur kurzzeitig überleben1. Diese Motoneuronen leiten Impulse aus dem Gehirn an zahlreiche Muskeln im ganzen Körper weiter. Fehlen diese Impulse, können sich auch die Muskeln nicht richtig entwickeln .

Die SMA wird in vier Typen unterteilt, je nachdem welche Meilensteine der motorischen Entwicklung die betroffenen Kinder erreichen. Bei der schwersten Verlaufsform, dem Typ I, sterben die Kinder meist innerhalb der ersten zwei Lebensjahre an Atemschwäche.

Seit 2017 stellt die US-Firma Biogen mit Spinraza ein Medikament zur Verfügung, das den Muskelschwund deutlich vermindern kann. Es muss alle vier Monate in die Rückenmarksflüssigkeit injiziert werden, die Therapiekosten können jährlich bis zu 500 000 Euro betragen.

Der Nutzen - verbesserte motorische Entwicklung

Die Erkenntnisse über den Nutzen von Zolgensma basieren vor allem auf einer kleinen Studie mit 15 Kindern, die an SMA Typ I leiden. Verglichen mit unbehandelten Kindern waren deren bisherige Entwicklung beeindruckend2: Von 12 Kindern, die die höchste Dosis erhalten haben, erlangten 11 die Kopfkontrolle und 10 können selbständig sitzen. 24 Monate nach der Behandlung waren alle noch am Leben.

Vorläufige Daten einer weiteren Studie mit SMA Typ I Patienten, die im Oktober 2017 startete, zeigen ähnliche Resultate3. Verlässliche Resultate für Patienten mit SMA Typ 2 und Typ 3 liegen noch nicht vor.

Die bisherige Daten deuten an, dass der Nutzen von Zolgensma und Spinraza vergleichbar ist4. Möglich wäre in Zukunft auch eine Kombination der beiden Therapien: Bereits jetzt werden mindestens sieben der Zolgensma-Patienten mit Spinraza weiterbehandelt5.

Die Therapie - Einschleusen des Gens SMN1

Die Gentherapie Zolgensma (onasemnogene abeparvovec) schleust eine funktionsfähige Variante des Gens SMN1 in Körperzellen ein. Dazu wird das Gen in eine spezialisierte Genfähre verpackt, einen adenoviralen Vektor. Das Ziel der Genfähren sind die Motoneuronen des Rückenmarks, die das Gen SMN1 für ihr Überleben und das Aufrechterhalten ihrer Funktion benötigen.

Zolgensma wird nur einmalig verabreicht. Es wird über eine Vene im Arm oder Bein direkt in die Blutbahn eingebracht und gelangt von dort in das Rückenmark.

Die Nebenwirkungen - verhältnismäßig gering

Bislang blieben die Nebenwirkungen von Zolgensma, verglichen mit der Schwere der Erkrankung, in einem vertretbaren Rahmen. Manche Patienten zeigen einen erhöhten Spiegel an Transaminasen im Blut sowie eine Verringerung der Thrombozyten-Zahlen, beides legt sich aber schnell wieder und hat keine langfristigen Folgen.

Ein Patient verstarb nach der Behandlung durch Atemversagen, ein Zusammenhang mit der Therapie erscheint jedoch unwahrscheinlich3. Ein zweiter Patient verstarb im April 2019 - ob der Tod im Zusammenhang mit der Gentherapie steht, wird noch untersucht.

Die Entwicklung - von Schweizer Pharmariesen erworben

Entwickelt wurde Zolgensma von der US-Firma AveXis, die sich seit der Gründung im Jahr 2010 auf Gentherapien spezialisiert hat. Im Jahr 2018 übernahm der Schweizer Pharma-Riese Novartis die Firma für einen Preis von 8,7 Milliarden US-Dollar.

AveXis hat im Oktober 2018 die Zulassung von Zolgensma in den USA beantragt, eine Entscheidung wird für Mai 2019 erwartet. In Europa steht ein Antrag auf Zulassung noch aus.

Die Kosten - vermutlich mehre Millionen US-Dollar

Der Preis von Zolgensma wird erst nach der Zulassung festgesetzt. Ein unabhängiges US-Institut hat aber bereits berechnet, dass die Gentherapie bei einem Preis zwischen 900 000 bis 1,5 Millionen US-Dollar als kosteneffizient gelten könnte. Novartis wird diese Summe aber vermutlich überbieten und hat bereits einen Preis von bis zu 4 Millionen US-Dollar ins Spiel gebracht5.

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1 Initiative SMA, Krankheitsbild - Initiative Forschung und Therapie für die Spinale Muskelatrophie,, abgerufen April 2019 (link)
2 Zolgensma (AVXS-101), SMA News Today, abgerufen April 2019 (link)
3 Autor et al., AveXis data reinforce effectiveness of Zolgensma® in treating spinal muscular atrophy (SMA) Type 1, Presseimitteilung Novartis, 16. April 2019 (link)
4 N. Grover, New Zolgensma data suggest comparable efficacy to Spinraza, Endpoints, 6. Mai 2019 (link)
5 J. Gardner, What to look for after Zolgensma's launch, BioPharmaDive, 4. April 2019 (link)

Zolgensma

Ein Adenovirus transportiert eine korrekte Version des Gens SMN1 in Motoneuronen
Die Gentherapie Zolgensma hilft bei der Erbkrankheit spinale Muskelatrophie.

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Kurz und knapp

  • bei der spinale Muskelatrophie führt das Absterben von Motoneuronen ab zu einem Muskelschwund
  • die Gentherapie Zolgensma schleust das Gen SMN1 in Motoneuronen ein und verlängert deren Überleben
  • in einer ersten kleinen Studie überlebten Kinder mit SMA Typ I länger und zeigten eine verbesserte motorische Entwicklung
  • mögliche Nebenwirkungen sind ein Transaminasen-Anstieg und ein Mangel an Thrombozyten, beides nur vorübergehen
  • in den USA könnte Zolgensma bald zugelassen werden
  • der Preis wird vermutlich bei mehreren Millionen US-Dollar liegen