Nabelschnurblut spenden – öffentliche oder private Banken?
Die Spende von Nabelschnurblut kann Leben retten. Aber wo einlagern? Öffentliche und private Nabelschnurblutbanken unterscheiden sich in wesentlichen Punkten.
Nabelschnurbanken im Vergleich
Ärzte sind sich einig, dass eine Einlagerung der wertvollen Nabelschnur-Stammzellen sinnvoll ist. Schließlich wurden bereits tausende Menschen weltweit mit Nabelschnurblut behandelt, meist bei Blutkrebs und Erbkrankheiten. Offen bleibt jedoch die Frage, wo werdende Eltern das Blut einlagern sollen – in öffentlichen oder in privaten Nabelschnurblutbanken?
Diese beiden Optionen unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: Verfügbarkeit und Kosten1. Private Banken reservieren die Stammzellen aus der Nabelschnur für das eigene Kind, die Kosten dafür tragen die Eltern. Öffentliche Banken hingegen stellen das Nabelschnurblut der Allgemeinheit zur Verfügung, dafür bleibt die Einlagerung für die Spender kostenfrei.
In vielen Fällen werden die Eltern jedoch keine Wahlmöglichkeit haben. Aufgrund fehlender Mittel können öffentliche Banken ihre Dienste nur etwas mehr als 40 Kliniken anbieten2. Eine private Spende ist hingegen in etwa 800 deutschen Kliniken möglich.
Inhalte
Spenden bei öffentlichen Nabelschnurblutbanken
Welche Leistungen bieten öffentliche Banken an?
Öffentliche Banken lagern Nabelschnurblutspenden kostenlos ein. Die Gewebemerkmale jeder Spende werden analysiert und in einem internationalen Stammzellregister veröffentlicht. Bei Bedarf können Ärzte die Spende anfordern und für die Behandlung eines Erkrankten einsetzen.
Wer Nabelschnurblut an eine öffentliche Bank spendet, kann es nicht zurückfordern. Es steht nur dann wieder zur Verfügung, wenn es dringend für die Behandlung des eigenen Kindes benötigt wird. Dies setzt jedoch voraus, dass die Spende noch nicht für einen anderen Patienten verwendet wurde.
In Ausnahmefällen sind auch „gerichtete Spenden“ möglich: Wenn etwa ein älteres Geschwisterkind bereits an Blutkrebs erkrankt ist, kann das Nabelschnurblut für die Therapie dieses Kindes reserviert werden.
Welche Spenden werden eingelagert?
Öffentliche Banken haben sehr strenge Qualitätsanforderungen. So werden Nabelschnurblut und mütterliches Blut genau analysiert, um eine Infektion mit bestimmten Viren auszuschließen. Zudem wird getestet, ob es während der Entnahme zu einer Verunreinigung durch Bakterien gekommen ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Volumen des Bluts. Ist es zu gering, enthält die Spende auch zu wenig Stammzellen und ist für manche medizinische Zwecke ungeeignet. Meist genügt nur 1 von 10 Proben diesen Qualitätsansprüchen2.
Wie finanzieren sich öffentliche Banken?
Obwohl öffentliche Banken dem Gemeinwohl dienen, erhalten sie keine finanzielle Unterstützung von staatlichen Stellen. Die Finanzierung erfolgt teilweise durch Spenden. Falls eine Probe zur Transplantation angefordert wurde, erhalten die Banken eine Kompensation von den Krankenkassen.
Die Folge dieses Finanzierungsmodells ist ein chronischer Geldmangel. Vor einigen Jahren gab es in Deutschland noch sieben öffentliche Banken, von denen heute aber nur noch zwei aktiv sind2.
Die verbleibenden beiden öffentlichen Banken sind in ihrer Lagerkapazität stark eingeschränkt. Dies ist auch ein Grund, warum sie nur einen kleinen Teil der Blutspenden annehmen.
Wo ist eine Spende möglich?
In Deutschland gibt es derzeit zwei öffentliche Banken, die neue Nabelschnurblutspenden einlagern:
- die José Carreras Stammzellbank im Universitätsklinikum Düsseldorf
- die DKMS Stammzellbank in Dresden
Die beiden Banken kooperieren mit ausgewählten Geburtskliniken. In diesen findet die Geburt und die Entnahme des Bluts statt, die Einlagerung erfolgt jedoch in den Banken selbst.
Die José Carreras Stammzellbank arbeitet aktuell mit 32 Kliniken in Nordrhein-Westfalen zusammen. Die DKMS arbeitet mit 11 Kliniken zusammen, von denen sich 7 im Raum Berlin oder Dresden befinden. Auf den jeweiligen Internetauftritten werden Listen bereitgestellt, in denen die entsprechenden Kliniken aufgeführt sind.
Private Nabelschnurblutbanken
Welche Leistungen bieten private Banken an?
Bei privaten Banken gehört das Nabelschnurblut weiterhin der Spenderfamilie. Diese übernimmt jedoch auch die vollen Einlagerungskosten. Im Falle einer Erkrankung des eigenen Kindes kann das Blut jederzeit für eine Behandlung verwendet werden. Falls es medizinisch sinnvoll ist, kann es häufig auch bei Geschwistern oder engen Verwandten eingesetzt werden.
Einige private Banken bieten zusätzlich auch die Einlagerung von Nabelschnurgewebe an, das reich an mesenchymalen Stammzellen ist.
Die Familie entscheidet, wie lange das Nabelschnurblut oder -gewebe eingelagert wird. Häufig wird ein Zeitraum von 18 bis 20 Jahren vereinbart, grundsätzlich ist aber auch eine unbegrenzte Lagerung möglich. Die Standards bei der Aufbewahrung entsprechen denen öffentlicher Banken und werden regelmäßig von den zuständigen Behörden überwacht.
Welche Spenden werden eingelagert?
Die privaten Banken lagern ebenfalls nur Proben ein, die frei von bestimmten Viren sind. Dabei wird sowohl das Blut der Mutter als auch das Nabelschnurblut untersucht.
Private Banken stellen jedoch keine strengen Anforderungen an das Volumen der Nabelschnurblutspende. Im Gegensatz zu öffentlichen Banken lagern sie daher auch jede geeignete Spende ein.
Wie finanzieren sich private Banken?
Private Banken finanzieren sich über die Beiträge, die die Spenderfamilien für die Einlagerung zahlen.
Wo ist eine Spende möglich?
In Deutschland ist eine private Einlagerung von Nabelschnurblut bei Vita 34 in Leipzig möglich. Vita 34 ist eine Marke der FamiCord AG, zu der auch die Marke eticur gehört. Die Deutsche Stammzellenbank in Hamburg ist ein Kooperationspartner von Vita 34.
Vita34 arbeitet mit etwa 500 Partnerkliniken in Deutschland zusammen. Eine Entnahme ist im gesamten Bundesgebiet möglich.
Kombinierte Spende
Was ist eine kombinierte Spende?
Die kombinierte Spende verknüpft die Leistungen der öffentlichen und privaten Nabelschnurblutbanken. Die Einlagerung erfolgt bei einer privaten Bank, die dann die Gewebemerkmale analysiert und die Daten einem internationalem Stammzellregister meldet. Ärzte auf der ganzen Welt können das Register durchsuchen und bei Bedarf anfragen, ob die Spende verfügbar ist.
Die Blutspende bleibt aber Eigentum der Spenderfamilie. Eine Freigabe für die Transplantation ist nur möglich, wenn die Familie dem zustimmt. Die kombinierte Spende ist auch unter der Bezeichnung „hybride Einlagerung‟ bekannt3.
Welche Spenden werden eingelagert?
Es werden alle Nabelschnurblutspenden angenommen, die für eine Einlagerung bei privaten Banken geeignet sind.
Wie finanzieren sich hybride Modelle?
Die Kosten für die Einlagerung werden anfangs von der Spenderfamilie getragen. Sollte die Spende für eine Fremdtransplantation angefordert und freigegeben werden, erhält die Spenderfamilie den gezahlten Betrag zurück.
Wo ist eine kombinierte Spende möglich?
In Deutschland bietet Vita 34 eine kombinierte Spende ohne Zusatzkosten an. Die Kosten für die Analyse der Gewebemerkmale und die Meldung an das internationale Stammzellregister werden vom Anbieter übernommen.
Wie werden die Proben eingefroren und gelagert?
Alle Nabelschnurblutbanken – egal ob öffentlich oder privat – lagern die Spenden auf eine grundsätzlich ähnliche Art und Weise ein. Da die Lagerstätten in Deutschland von den Behörden überprüft und zugelassen werden müssen, ist auch ein hohes Qualitätsniveau gewährleistet.
Zellen aus der Nabelschnur lassen sich problemlos über viele Jahre hinweg lagern, sofern sie bei konstant niedrigen Temperaturen gehalten werden. Allerdings dürfen beim Einfrieren keine Eiskristalle entstehen, da diese die empfindlichen Strukturen der Zellen schädigen können. Das Einfrieren erfolgt daher in Gegenwart besonderer Schutzmittel und läuft nach einem festgelegten Protokoll ab.
Als Kühlmittel dient flüssiger Stickstoff, der eine Siedetemperatur von -196 °C aufweist. Die Blutspenden werden entweder direkt in der Flüssigkeit oder in der Gasphase darüber gelagert. Auch in der Gasphase ist es noch extrem kalt: Je nach Konstruktion des Behälters herrschen Temperaturen von -180 bis -135 °C.
Die Lagerung erfolgt in großen Behältern aus Stahl. Die Temperatur im Inneren dieser Behälter wird ständig überwacht, da bereits ein kurzzeitiges Auftauen die Blutspenden unbrauchbar machen würde.
Wie mehrere Studien gezeigt haben, können die eingefrorenen Zellen unter diesen Bedingungen jahrzehntelang überleben4. So hat die Stammzellbank in Düsseldorf Spenden untersucht, die bis zu 29 Jahre gelagert wurden und immer noch voll funktionsfähig waren5.
Fremd- oder Eigenspende: Was findet häufiger Anwendung?
Nabelschnurblut wird vor allem von Eltern eingelagert, die sich eine Vorsorge für die eigenen Kinde wünschen. Weltweit lagern schätzungsweise etwa 4 Millionen Eigenspenden in privaten Banken. Öffentliche Banken bewahren hingegen nur etwa 800 000 Fremdspenden auf3.
Bei der Zahl der erfolgten Behandlungen dreht sich dieses Verhältnis jedoch um – das transplantierte Blut stammte fast immer aus Fremdspenden. Im erweiterten europäischen Raum wurden 2024 insgesamt 235 Transplantationen von Nabelschnurblut durchgeführt, etwas mehr als die Hälfte davon bei Kindern6. Davon waren
- 223 Nabelschnurblutspenden von nicht verwandten Spendern, meist zur Behandlung von Leukämien
- 9 Nabelschnurblutspenden von verwandten Spendern, davon 5 zur Behandlung von Leukämien und 4 zur Behandlung von Erbkrankheiten
- 2 Eigenspenden, die zur Unterstützung anderer Therapien eingesetzt wurden
Diesen Daten deuten an, dass es nach heutigem Stand kaum Anwendungen für Eigenspenden gibt. In manchen Fällen kann eine Blutspende jedoch einem erkrankten Geschwisterkind helfen.
Zudem können privat eingelagerte Spenden die medizinische Forschung unterstützen. So hat die europaweit tätige FamiCord AG im Jahr 2024 insgesamt 14 Nabelschnurblutspenden abgegeben, von denen 12 bei der Entwicklung regenerativer Therapien zum Einsatz kamen.
Fazit
Wer über die Einlagerung von Nabelschnurblut nachdenkt, muss sich zunächst über einen Punkt klar werden: Geht es vor allem um das eigene Kind oder sollen die Allgemeinheit profitieren?
Damit wäre die Entscheidung im Grunde klar. Soll das Blut gespendet werden, sind die öffentlichen Banken die richtige Wahl. Wenn es um das eigene Kind oder Verwandte geht, sind private Banken die beste Wahl.
Doch in der Realität ist die Entscheidung komplizierter. Die Geldknappheit der öffentlichen Banken hat zur Folge, dass nur wenige Kliniken Spenden annehmen können. Selbst von diesen Spenden wird nur ein kleiner Teil eingelagert. Eine Spende an die Allgemeinheit ist bei öffentlichen Banken also nur in Ausnahmefällen möglich.
Eine mögliche Lösung sind kombinierte Spenden. Dabei lagert eine private Bank die Spende ein, gibt deren Daten aber an ein öffentliches Stammzellregister weiter. Auf diese Weise wären öffentliche und private Interessen vereint – zumindest bis zum Zeitpunkt, an dem die Spende akut benötigt wird.
Teil 2/4: Alte und neue Therapien mit Nabelschnurblut
Teil 3/4: Öffentliche oder private Banken – wo spenden?
Teil 4/4: Nabelschnurblut einfrieren – Pro und Contra
2 Deutsches Ärzteblatt, Nabelschnurblutspenden in Deutschland rückläufig, Relevanz könnte zunehmen, Januar 2024 (Link)
alle Referenzen anzeigen
3 Surbeck et al., Nabelschnurblut-Stammzelleinlagerung öffentlich – privat/familiär – hybrid, Expertenbrief No 87, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, April 2024 (Link)4 S. Takahashi, HSC “aging” of cord blood during cryopreservation and new strategy for prevention, Blood Science, Juni 2025 (Link)
5 Liedtke et al., Long-Term Stability of Cord Blood Units After 29 Years of Cryopreservation: Follow-Up Data From the José Carreras Cord Blood Bank, Stem Cells Translational Medicine, Januar 2024 (Link)
6 Greco et al., The 2024 EBMT activity report: crossing one million HCTs and 20,000 CAR-T. A landmark in cellular therapy, Bone Marrow Transplantation, Mai 2026 (Link)
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Nabelschnurgewebe
Kurz und knapp
- öffentliche Banken lagern Nabelschnurblut kostenfrei ein und stellen es der Allgemeinheit zur Verfügung
- aufgrund mangelnder Finanzierung haben öffentliche Banken nur begrenzte Lagerkapazitäten
- private Banken lagern das Nabelschnurblut für die eigene Nutzung ein
- die Kosten für die private Einlagerung trägt die Spenderfamilie
- kombinierte Spenden verknüpfen die Leistungen von öffentlichen und privaten Banken