Fetale Stammzellen:
Noch ein ethisches Problem

Die Vernichtung von Embryonen ist heftig umstritten, doch kaum jemand streitet über fetale Stammzellen. Dabei gilt auch hier: Entstehendes menschliches Leben muss für ihre Erzeugung zerstört werden. Embryonale Stammzellen werden aus fünf Tage alten Blastozysten gewonnen, fetale aus 5-12 Wochen alten Embryonen oder Feten.
Ein sieben Wochen alter menschlicher Embryo: Quelle für fetale Stammzellen. (Quelle: Ed Uthman )
Im Gegensatz zu embryonalen Zellen werden fetale Stammzellen bereits seit langem angewendet: In mehreren klinischen Studien hat man sie am Menschen getestet - fast unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit.
Um fetale Stammzellen zu gewinnen, müssen die wichtigsten Organe im Fetus bereits entwickelt sein - eine Erzeugung im Reagenzglas ist gesetzlich untersagt. Auch werden für jede Behandlung mehrere Feten gleichzeitig gebraucht - spontane Totgeburten sind dafür (zum Glück) zu selten.
Somit bleibt als einzig realistische Quelle für fetale Stammzellen der geplante Schwangerschaftsabbruch. Die Abtreibung ist aber in vielen Ländern noch umstritten, und auch in Deutschland wird die Legalisierung nicht von allen akzeptiert.
So ist etwa die Position der katholischen Kirche eindeutig. Die vatikanische Glaubenskongregation hat verkündet, dass die Verwendung von Zellen aus abgetriebenen Feten kate­gorisch abzulehnen ist - dem Papst liegt dies offenkundig
sehr am Herzen1. Therapien mit fetalen Zellen würden also genauso entschlossen bekämpft wie die Erzeugung von embryonalen Stammzellen. Der Streit ist vor­programmiert.

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Doch auch jenseits der religiösen Fragen würde eine kommerzielle Verwertung allgemeines Unbehagen auslösen. Schon jetzt sind private Firmen mit daran beteiligt, Therapien mit fetalen Zellen zu etablieren2. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden tote Feten zur Handelsware.
Ist es ethisch vertretbar, wenn Firmen aus der Beendigung menschlichen Lebens Profit schlagen? Müssen Frauen dann am Gewinn beteiligt werden - als Lohn für die Spende des abgetriebenen Fetus? Und falls ja: Erzeugt das nicht die Versuchung, schwanger zu werden, um mit der Abtreibung etwas Geld zu verdienen?
Eine Debatte über diese Fragen findet in Deutschland nicht statt. Vielleicht weil fast alle derartigen Studien im Ausland stattfinden - uns also scheinbar nichts angehen. Und sollten fetale Zellen niemals den medizinischen Durchbruch erlangen, ist eine Debatte tatsächlich überflüssig.
1 Dignitas personae, Nr. 32 (link)
2 Pressemitteilung ReNeuron vom 16.11.2010, ReNeuron announces first patient treated in landmark stroke stem cell clinical trial (link)
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