Fetale Stammzellen:
Nicht mehr embryonal, noch nicht adult
In Kürze
- Adulte und embryonale Stammzellen beherrschen die Schlagzeilen, doch auch fetale Stammzellen werden am Menschen getestet. Ihre Gewinnung - in der Regel aus abgetriebenen Feten - ist jedoch ethisch heikel und bringt große praktische Probleme mit sich.
-
Menschliche Feten sind die Quellen für fetale Stammzellen. In klinischen Studien finden im Moment Zellen aus dem Gehirn, der Retina und der Leber Anwendung.
- Fetale Zellen sind eine Übergangsform: Nicht mehr so wandelbar wie embryonale, aber deutlich wachstumsfreudiger als adulte Stammzellen1. Gewonnen werden sie aus älteren Embryonen oder Feten, bei denen sich die inneren Organe schon ausgebildet haben. Auch die Stammzellen sind dann schon weiter entwickelt und bereits auf ein bestimmtes Körpergewebe festgelegt - also nur noch multipotent.
- Nur aus den Urkeimzellen der Keimdrüsenleiste werden noch pluripotente Stammzellen gewonnen: Diese primordialen Stammzellen haben ähnliche Eigenschaften wie ihre embryonalen Vettern.
- In der Medizin haben fetale Stammzellen eine Reihe von Vorteilen: Als sehr "junge" Zellen weisen ihre Erbanlagen kaum Schäden auf, ihr Wachstumspotential ist noch sehr hoch, und sie sind einfach zu isolieren. Besonders wenn adulte Stammzellen rar sind - wie z.B. im Gehirn - bieten fetale Zellen im Moment die einzige Möglichkeit, eine
- Stammzelltherapie zu entwickeln. So sind es vor allem neuro-degenerative Erkrankungen wie Parkinson2 oder Chorea Huntington3, bei denen klinische Studien mit fetalen Stammzellen durchgeführt werden.
-
Mehr zu diesem Thema
-
- fetale Stammzellen werden meist aus abgetriebenen Embryonen und Feten gewonnen
- in ihrer Entwicklung sind sie auf bestimmte Gewebe und Organe festgelegt (mit Ausnahme der primordialen Stammzellen)
- sie vermehren sich schneller und stärker als adulte Stammzellen
- vor allem neuro-degenerative Erkrankungen könnten mit ihnen behandelt werden
- Der Einsatz von fetalen Zellen ist in ethischer Hinsicht sehr problematisch. Sie werden zumeist aus abgetriebenen Feten gewonnen - und somit kaum weniger Proteste auslösen als die Abtreibung selber.
- Hinzu kommen noch erhebliche praktischen Probleme: Die Zahl der Stammzellen, die aus einem Fetus isoliert werden kann, ist sehr klein, und die Vermehrung schwierig. Man wird also niemals ausreichend Zellen zur Verfügung haben, um große Patientenzahlen zu behandeln. Daher erscheint fraglich, ob fetale Stammzellen jemals eine bedeutende Rolle spielen werden - die ist wohl eher für ihre embryonalen und adulten Vettern reserviert.
-
1 Pojda et al., Nonhematopoietic stem cells of fetal origin - how much
of today's enthusiasm will pass the time test?, Folia Histochemica et Cytobiologica 2005, vol. 43, pp. 209-12 (link)
2 C. Holden, Fetal Cells Again?, Science, vol. 326, pp. 358-9 (link)
3 J. Bidder, Hoffnung für unheilbar Kranke, Focus vom 18.8.2008 (link)
-