24.08.2010 Obamas Stammzell-Politik auf Eis gelegt
Schlimmer als in den Bush-Jahren? Die embryonale Stammzellforschung wurde von Präsident Obama mit Nachdruck gefördert, doch ein amerikanischer Bundesrichter hat dem vorläufig einen Riegel vorgeschoben. Die direkten Auswirkungen können selbst Rechtsexperten nicht einschätzen, aber im schlimmsten Fall droht ein Zustand, der weit hinter die restriktiven Bush-Jahre zurückfällt: Da konnte wenigstens die Forschung mit 21 embryonalen Stammzell-Linien (die vielzitierten Bush-Linien) mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Die Klage der Stammzell-Gegner beruft sich auf ein älteres Gesetz, dass in der Zerstörung von Embryonen einen absolutes Ausschlusskriterium für Fördermittel sieht. Obama hatte argumentiert, dass seine Förderpolitik erst nach der Embryonen-Zerstörung einsetzt, und dieses Gesetz - die Dickey-Wicker-Novelle - daher nicht anwendbar ist. Doch der Bundesrichter, noch von Ronald Reagan eingesetzt, hält die Klage für aussichtsreich und legt Obamas Politik bis zur endgültigen Verhandlung auf Eis. Die Konsequenzen für die amerikanische Stammzell-Forschung könnten dramatisch sein. (Quelle: New York Times)
18.08.2010 Durchbruch bei Stammzell-Therapie für Blinde
Verletzungen oder Entzündungen können die Hornhaut des Auges eintrüben und es schließlich erblinden lassen. Die Transplantation von Hornhaut - entnommen von verstorbenen Spendern - kann dieses Erblinden verhindern. Doch passende Spender sind selten, und der Erfolg ist oft kurzlebig - körpereigene Zellen wandern in die transplantierte Hornhaut ein und zerstören sie. Italienische Ärzte fanden eine zukunftsweisende Lösung: Sie isolierten Stammzellen aus dem gesunden Auge eines Patienten, vermehrten sie im Labor und behandelten mit ihnen das verletzte Auge. Diese Therapie war nicht nur erfolgreich, sondern auch stabil; die Ärzte verfolgten das Schicksal von 112 Patienten bis zu 10 Jahre lang. Dies ist ein seltenes Beispiel dafür, dass die Stammzell-Forschung - jenseits vollmundiger Ankündigungen - auch noch mit echten Fortschritten glänzen kann. (Quelle: N Engl J Med)
14.08.2010 Eine Nische, zwei Stammzell-Arten
Auch Stammzellen haben ein Zuhause: Die "Nische" ist der Ort, an dem sich diese Zellen ständig selbst erneuern. Eine überraschende Entdeckung gelang jetzt amerikanischen Forschern: Die Nische der Blutstammzellen im Knochenmark wird von einer anderen Sorte Stammzellen gebildet. Diese mesenchymalen Stammzellen produzieren eine Reihe von Faktoren, die die Blutzellen für ihr Wohlergehen benötigen. Reduziert man die Zahl der mesenchymalen Zellen, verschwinden auch die Blutstammzellen. Außerdem enden Nervenfasern in unmittelbarer Nähe von mesenchymalen Zellen: Das Stresshormon Adrenalin kann so indirekt das Verhalten von Blutstammzellen steuern. Bei manchen Krankheiten gerät das Wachstum der Blutstammzellen außer Kontrolle; die neuen Erkenntnisse könnten helfen, neuartige Therapien für diese Krankheiten zu entwickeln. (Quelle: Nature)
12.08.2010 Stammzellen lindern Schmetterlingshaut
Bei der kleinsten Berührung Blasen und Narben: Die Erbkrankheit Epidermolysis bullosa (oder Schmetterlingshaut) macht betroffenen Kindern ihr kurzes Leben zur Qual. In einer 2007 begonnenen Modellstudie wurden 10 Kinder mit einer Knochenmark-Transplantation behandelt. Im Knochenmark gibt es neben blutbildenden Zellen noch eine andere Stammzell-Population, die mesenchymalen Stammzellen. Diese Zellen sind in die Haut der erkrankten Kinder eingewandert und produzieren dort das fehlende Protein Collagen-7 - die Krankheit wurde dadurch deutlich gelindert. Alle überlebenden Kinder haben von der Therapie profitiert, allerdings im unterschiedlichen Ausmaß. Doch die Risiken sind groß: Zwei Kinder verstarben durch Komplikationen, die nach der Knochenmark-Transplantation eintraten. Die Forscher der Universität Minnesota hoffen, in Zukunft durch neue Verfahren das Risiko vermindern und den Heilungserfolg erhöhen zu können. Langfristig könnte dadurch eines der furchtbarsten Leiden von der Liste unheilbarer Krankheiten gestrichen werden. (Quelle: ScienceDaily)
01.08.2010 Test von embryonalen Stammzellen am Menschen beginnt
Die letzten Zweifel scheinen ausgeräumt: Die Firma Geron wird nun mit einer klinischen Studie beginnen, bei der embryonale Stammzellen in das Rückenmark von querschnittsgelähmten Menschen eingespritzt werden. Dabei schien der Weg schon Anfang 2009 frei, als Präsident Obama kurz nach seinem Amtsantritt die Versuche genehmigte. Doch schon im August meldete die amerikanische Gesundheitsbehörde erneut Bedenken an und verlangte zusätzliche Beweise, dass die eingespritzten Zellen sich nicht zu einem Tumor weiterentwickeln. Diese Beweise wurden geliefert und die Behörde hat die endgültige Freigabe erteilt. Zuerst werden zehn Patienten mit den embryonalen Zellen behandelt, um auch beim Menschen deren Unbedenklichkeit zu belegen. Erst dann können in einer größeren Studie die Heilkräfte dieser Zellen untersucht werden. (Quelle: Geron)
20.07.2010 Stammzellen erinnern sich
iPS-Zellen gleichen embryonalen Stammzellen, werden aber im Reagenzglas aus normalen Gewebezellen hergestellt. Zwei amerikanischen Forschergruppen fiel jetzt auf, dass diese Zellen noch Spuren ihrer vorigen Identität im Genom tragen. Wenn iPS-Zellen aus Blut erzeugt werden, entwickeln sie sich sehr einfach zu Blutzellen, während iPS-Zellen aus der Haut am ehesten wieder zu Hautzellen werden. Die Markierungen im Genom - und damit die "Erinnerungen" - verschwinden erst, wenn man die Zellen einige Monate im Labor hält. iPS-Zellen gelten als große Hoffnung der Medizin: Ob diese "Erinnerungen" nun bei einer Therapie eher hilfreich oder schädlich sind, ist im Augenblick noch unklar. (Quelle: Nature Biotechnology)
08.07.2010 Webseite gegen unseriöse Stammzell-Kliniken
Private Kliniken werben verstärkt für unerprobte Stammzell-Therapien: Die internationale Gesellschaft der Stammzell-Forscher (ISSCR) hat deshalb eine Webseite eingerichtet, die Patienten vor betrügerischen Angeboten schützen soll. Die Forscher haben eine Reihe von Fragen formuliert, die sich jeder Patient von der Klinik beantworten lassen sollte. Zur Auswertung der Antworten sollte man dann einen erfahrenen Arzt zu Rate ziehen. Weiterhin kann jeder eine Stammzell-Klinik zur Prüfung vorschlagen. Die Kliniken werden dann aufgefordert, ihre Methoden zu erläutern und Beweise für deren Wirksamkeit vorzulegen. Auf das Ergebnis der Prüfung wird man daher 4-5 Monate warten müssen. Bislang gibt es die Webseite des ISSCR nur in einer englischen Version. (Quelle: Cell Stem Cell)
27.06.2010 Embryonale Stammzellen: Experten wollen weiter forschen
Trotz neuer Technologien sind embryonale Stammzellen weiter von großer Bedeutung für Forschung und Medizin. Zu diesem Schluss kommt ein Gremium von führenden europäischen Experten, die im Auftrag der Europäischen Wissensschaftsstiftung den aktuellen Stand der Stammzell-Forschung analysiert haben. Das Wachstums- und Entwicklungsverhalten von pluripotenten Stammzellen wird noch nicht richtig verstanden, doch Fortschritte in der regenerativen Medizin hängen entscheidend von diesem Wissen ab. Es wäre verfrüht, sich in diesem Stadium allein auf die Erforschung von iPS-Zellen zu verlassen und die Arbeit mit embryonalen Stammzellen einzustellen. Die Europäische Wissenschaftsstiftung ist ein Zusammenschluss von führenden Forschungsorganisationen aus 30 Ländern, zu denen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft gehören. (Quelle: Europäische Wissenschaftsstiftung)
24.06.2010 Zweifelhafte Daten: Deutscher Forscher unter Druck
Pluripotente Stammzellen aus menschlichen Hoden: Forschung und Medizin könnten von dieser Entdeckung unglaublich profitieren – wenn sie denn richtig ist. Der Tübinger Forscher Thomas Skutella glaubte im Jahr 2008 diese Zellen gefunden zu haben, und veröffentlichte seine Ergebnisse in dem renommierten Fachblatt Nature. Doch in der selben Zeitschrift haben jetzt zwei andere deutsche Forscher erhebliche Zweifel an Skutellas Daten angemeldet. Hans Schöler (Münster) und Martin Zenke (Aachen) konnten die Versuche in ihren eigenen Labors nicht nachvollziehen, und eine Analyse von Skutellas Zellen blieb ihnen verwehrt - trotz mehrfacher Anfrage. Weiterhin weist eine neue Auswertung von Skutellas Daten darauf hin, dass er keine Stammzellen sondern nur gewöhnliche Bindegewebszellen gefunden hatte. Wenn Skutella seine Behauptungen aufrecht erhalten möchte, muss er seine Zellen möglichst bald anderen Forschern zur Verfügung stellen und ihre Identität bestätigen lassen. Ansonsten wäre sein wissenschaftlicher Ruf fast irreparabel geschädigt. (Quelle: Nature)
18.06.2010 Kyoto-Preis geht an iPS-Zell-Forscher
Künstliche Stammzellen aus Hautgewebe: Für die Entwicklung dieser Technologie wird der Japaner Shinya Yamanaka mit dem Kyoto-Preis geehrt. Mit nur vier Genen hat er adulte Gewebezellen so verändert, dass sie embryonalen Stammzellen gleichen (siehe iPS-Zellen). Der Kyoto-Preis wird von der japanischen Inamori-Stiftung vergeben, benannt nach dem Gründer der Firma Kyocera. Er ist mit 450 000 Euro dotiert und gehört er zu den renommiertesten Auszeichnungen weltweit. (Quelle: Kyocera)