Stammzell-Nachrichten

06.02.2012 Neuronale Stammzellen - aus Haut hergestellt

Stammzellen, die mehrere Arten von Gehirn-Zellen hervorbringen, können durch direkte Reprogrammierung von Hautzellen erzeugt werden. Mit dieser Methode - die ohne den Umweg über die pluripotenten iPS-Zellen funktioniert - konnten bislang nur einzelne Arten von Nervenzellen hergestellt werden, denen die Fähigkeit zur Zellteilung fehlt. Forscher an der Stanford Universität in Kalifornien haben nun direkt multipotente neuronale Stammzellen (auch Vorläuferzellen genannt) erzeugt, die sich problemlos im Labor vermehren. Die Produktion von großen Mengen an Nervenzellen - wie sie etwa für adulte Stammzelltherapien benötigt würden - ist damit in den Bereich des Möglichen gerückt. Allerdings funktioniert diese Methode bislang nur bei Mauszellen; die Forscher wollen als nächstes auch menschliche neuronale Zellen erzeugen. (Quelle: PNAS)

24.01.2012 Embryonale Stammzelltherapie: Bislang keine Probleme

Das erste Zwischenergebnis ist positiv: Zwei Patienten, die aufgrund von Augenleiden mit einer embryonalen Stammzelltherapie behandelt wurden, haben den Eingriff und die ersten vier Monate gut überstanden. Ärzte fanden keinerlei Anzeichen einer Entzündung, Immunabstoßung oder Tumorbildung. Den beiden Patienten, die an Morbus Stargardt bzw. altersbedingter Makuladegeneration leiden, wurden Netzhautzellen in das Auge transplantiert. Diese Netzhautzellen wurde im Labor aus menschlichen embryonalen Stammzellen hergestellt. Erstmals wurden damit vorläufige Ergebnisse einer derartigen Studie veröffentlicht. Durchgeführt wurden die Behandlung von einer amerikanischen Augenklinik in Los Angeles, die dabei Zellen der Firma Advanced Cell Technology verwendet hat. (Quelle: Lancet)

16.01.2012 Stammzellen im Auge

In der Netzhaut wurden Stammzellen gefunden, die neue Möglichkeiten in der regenerativen Medizin eröffnen könnten. Einer Gruppe von englischen und amerikanischen Forscher ist es gelungen, aus Biopsien von menschlichem Augengewebe eine neue Art von adulten Stammzellen zu isolieren. Diese ließen sich leicht im Labor vermehren und bildeten Zellen, welche die Behandlung einer Form von Blindheit - der altersbedingten Makuladegeneration - ermöglichen könnten. Diese Krankheit ist schon jetzt durch Transplantation von gesunden Zellen heilbar, aber da geeignete Spender von Netzhaut-Zellen sehr selten sind, kann nur ein geringe Zahl von Patienten behandelt werden. Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine der häufigsten Ursachen der Erblindung in der westlichen Welt. Die adulten Zellen könnten langfristig eine Alternative zu Therapien mit embryonalen Stammzellen sein, die sich momentan in der ersten klinischen Testphase befinden. (Quelle: Cell Stem Cell)

10.01.2012 Stammzellen schauen nach der Uhr

Gene für den Tag/Nacht-Rhythmus bestimmen mit, ob Stammzellen in der Haut aktiv werden können. Schon länger war bekannt, dass adulte Stammzellen beständig zwischen einer ruhenden und einer aktiven Phase wechseln - so kann sich immer nur ein Teil der Zellen teilen, während der Rest in Reserve bleibt. Spanische Forscher fanden jetzt heraus, dass diese Phasen von den gleichen Genen kontrolliert werden, die den Körper auf einen 24-Stunden-Tag eichen (den sogenannten circadianen Rhythmus). In der Haut von Mäusen konnten die Forscher durch An- und Abschalten dieser Gene auch das Wachstum der Stammzellen steuern: Waren die Stammzellen zumeist in der Ruhephase, war das Krebsrisiko deutlich geringer - allerdings alterte die Haut auch schneller. (Quelle: Nature)

19.12.2011 Fetale Stammzellen heilen Mutter-Herz

Schwangere Frauen mit einer seltenen Herzerkrankung erholen sich meist wieder, weil Stammzellen aus dem Fetus in das Herz der Mutter einwandern und krankes Gewebe regenerieren. Amerikanische Forscher entdeckten diesen Prozess jetzt bei Versuchen mit Mäusen. Die fetalen Stammzellen wirken dabei mit, Blutgefäße, glattes Muskelgewebe und den eigentlichen Herzmuskel wieder aufzubauen. Diese fetalen Zellen stammten von Trophoblasten ab, die - so glaubte man bislang - eigentlich nur am Aufbau der Plazenta beteiligt sind. Die Forscher glauben, dass die peripartale Herzschwäche - eine schwere Erkrankung von vormals gesunden schwangeren Frauen - durch ähnliche Prozesse geheilt wird. (Quelle: Circulation Research)

08.12.2011 Hirnanhangdrüse aus dem Reagenzglas

Durch Selbst-Organisation von embryonalen Stammzellen konnten japanische Forscher einen wichtigen Teil der Hirnanhangdrüse im Labor herstellen. In Gegenwart von Wachstumsfaktoren bildete sich spontan ein Gebilde, das der Adenohypophyse gleicht: Jenem Teil der Hirnanhangdrüse (oder Hypophyse), der eine Vielzahl von lebenswichtigen Hormonen produziert. So konnte etwa im Labor die Ausschüttung des Hormons ACTH stimuliert werden. Und noch beeindruckender: Nach Transplantation in eine Maus funktionierte dieses Gebilde fast genauso gut wie die natürliche Drüse. Nach Augenbecher und Lungenbläschen ist die Adenohypophyse jetzt das nächste komplexe Organ, das im Labor aus embryonalen Stammzellen gezüchtet werden konnte. (Quelle: Nature)

26.11.2011 Künstliche Luftröhre erfolgreich

Körpereigene Stammzellen auf einer künstlichen Luftröhre haben einem 36-jährigem Mann das Leben gerettet. Fünf Monate nach der Operation stellten Mediziner im schwedischen Karolinska-Institut fest, dass das neue Organ teilweise von Gewebezellen bedeckt und mit Blutgefäßen durchzogen ist. Die Operation war nötig geworden, weil ein Tumor die natürliche Luftröhre des Patienten stark angegriffen hatte. Der Mann ist nun weitgehend beschwerdefrei, auch der Tumor ist bislang noch nicht wieder aufgetaucht. Die Forscher hoffen, vor allem Kindern mit dieser Methode helfen zu können, da für sie nur selten passende Spenderorgane verfügbar sind. (Quelle: The Lancet)

16.11.2011 Schnelles Ende einer embryonalen Stammzelltherapie

Die Firma Geron bläst die erste klinische Studie von embryonalen Stammzellen zur Behandlung von Querschnittsgelähmten ab. Erst im Oktober 2010 war der erste von mittlerweile vier Patienten mit den Zellen behandelt worden, sechs weitere hätten noch folgen sollen. Als Grund gibt Geron Geldmangel an, das Geschäft soll sich in Zukunft auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten konzentrieren. Die Sparte der embryonalen Stammzelltherapie wird ersatzlos gestrichen. Für die bereits behandelten vier Patienten sucht Geron nach finanzstarken Partnern, um deren Weiterversorgung zu gewährleisten. (Quelle: Pressemitteilung Geron)

08.11.2011 Jungbrunnen für alte Zellen

Alle Spuren der Alterung entfernt und neue Wachstumskräfte verliehen: Französische Forscher haben Hautzellen von 100-jährigen Spendern wieder jung gemacht. Die verwendete Methode ähnelt der Herstellung von induzierten pluripotenten Stammzellen, bei der vier Wachstumsfaktoren die Zellen umprogrammieren. Da die verwendeten Zellen in diesem Fall sehr alt waren, wurden dem Wachstums-Cocktail zwei weitere Faktoren zugefügt - die entstandenen Stammzellen waren kaum von jungen Zellen zu unterscheiden. Zur Überprüfung wurden aus den Stammzellen wieder Hautzellen gewonnen und mit den ursprünglichen Zellen der alten Spender verglichen - vom Alterungsprozess waren keine Spuren mehr übrig. Diese Versuche zeigen, dass bei Zellen die Alterung kein unumkehrbares Schicksal ist, und eröffnet theoretisch die Möglichkeit, auch ältere Patienten mit ihren eigenen Zellen zu behandeln. (Quelle: Genes & Development)

31.10.2011 Stammzellen regenerieren Lunge nach Grippe-Infektion

Influenza-Viren zerstören bis zu 60 % des Lungengewebes einer Maus, doch innerhalb von drei Monaten reparieren Stammzellen den Schaden und die Lunge arbeitet wieder normal. Diese Tierversuche brachten eine internationale Forschergruppe auf die Spur der menschlichen adulten Stammzellen der Lunge - und sie fanden drei unterschiedliche Arten. Eine dieser Stammzellarten bildet in der Petrischale Strukturen aus, die Lungenbläschen ähneln (die kleinsten Einheiten, in denen Sauerstoff aufgenommen wird). Die Stammzellen scheinen sich dabei selbst zu organisieren, die Forscher suchen nun nach den verantwortlichen Faktoren und hoffen, so die Heilung von verletztem Lungengewebe zu unterstützen. Denn auch beim Menschen ist die Fähigkeit zur Regeneration beeindruckend: Patienten, die schwerste Lungenschäden überleben, erlangen wesentliche Teile ihrer Lungenfunktion nach sechs bis zwölf Monaten wieder. (Quelle: Cell)


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