Gentests:
DNA-Analyse für den Hausgebrauch
- Gen-Varianten gibt es zuhauf: Manche erhöhen das Risiko für Krankheiten, andere verringern es. Um herauszufinden, welche Risikofaktoren sich im eigenen Erbgut verbergen, braucht man heute keinen Arzt mehr. Entsprechende Gentests sind frei erhältlich, einfach zu verwenden und auch nicht allzu teuer.
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Aus Speichelproben kann DNA aufgearbeitet werden, die auf genetische Risikofaktoren untersucht wird. Gentest-Anbieter machen die Ergebnisse dem Kunden online zugänglich.
- Was also liegt näher, als die eigenen genetischen Risiken zu bestimmen und rechtzeitig Vorsorge zu betreiben? Experten fällt es jedoch schwer, derartige Tests uneingeschränkt zu empfehlen: Man weiß noch zu wenig - wie aussagekräftig sind die Tests1, helfen sie wirklich und wie reagieren betroffene Menschen darauf?
- Trotz der einfachen Anwendung ist das zugrunde liegende Prinzip kompliziert: Gentests untersuchen nicht direkt die eigentliche Gene sondern erfassen bestimmte Markierungen,
- die eine Unterteilung des Genoms in kleinere Abschnitte ermöglichen. Diese Markierungen - SNPs genannt - wurden in Assoziationsstudien in einen statistischen Zusammenhang mit diversen Krankheiten gebracht.
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- Dieser Umweg ist nötig, da die genetischen Ursachen der meisten Krankheiten noch unbekannt sind. Somit kann man zwar erfahren, ob man eine Veranlagung für eine bestimmte Krankheit hat, aber nicht unbedingt, warum man anfällig ist und wie eine sinnvolle Vorsorge aussehen könnte.
- Auch kann mit den bekannten Faktoren nur ein Bruchteil des vererbten Risikos erklärt werden, so dass manche Prognose noch ins Wanken geraten kann: Was heute gesichert erscheint, kann sich morgen als Fehlinformation erweisen.2
- Trotzdem kann man bereits Gentests kaufen, die bis zu einhundert genetische Veranlagungen analysieren. Ohne einen Arzt zu Rate zu ziehen, kann jeder auf die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zurückgreigen. Doch das Problem ist offenkundig: Ohne den entsprechenden Sachverstand - über den nur ein hochspezialisierter Arzt verfügt - besteht die Gefahr von schwerwiegenden Missverständnissen.
- Negative Ergebnisse könnten unnötige Ängste erzeugen, unauffällige Resultate hingegen ein trügerisches Sicherheitsgefühl. Die von den Firmen angebotene medizinische Beratung ist spärlich und beschränkt sich meist auf allgemein gehaltene Internetseiten. Auch ein Hausarzt ist mit derartigen Spezialfragen oft überfordert. Daher sollten diese Gentests mit größter Vorsicht verwendet werden: Der medizinische Nutzen ist noch begrenzt.
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1 Janssens et al., Am.J.Hum.Genet. (2008) vol. 82 pp. 593-9 (link)
2 Mihaescu et al., Evaluation of risk prediction updates from commercial genome-wide scans, Genet.Med. (2009), vol. 11 pp. 588-94 (link)