Leberkrebs nur in frühem Stadium heilbar

     

Anfangs ist Leberkrebs noch gut heilbar. Doch meist wird er so spät entdeckt, dass es kaum noch Behandlungsmöglichkeiten gibt. Die Todesrate ist daher hoch.

Leberkrebs macht sich meist erst bemerkbar, wenn es zu spät ist. Anfangs ist die Erkrankung fast frei von Beschwerden, und erst wenn das Stoffwechsel-Organ langsam seine Funktion verliert, stellen sich die ersten Symptome ein. An diesem Punkt sind viele Patienten schon stark geschwächt: Sie leiden nicht nur an Leberkrebs, sondern auch einer schweren Störung ihres Stoffwechsels. Ihre Lebenszeit beträgt meist weniger als ein Jahr.

Anfangs haben Ärzte noch eine Reihe von Möglichkeiten, den Tumor operativ zu bekämpfen: Sie können den Tumor gezielt zerstören oder die befallenen Teile der Leber entfernen, als letztes Mittel sogar eine Transplantation einleiten. Doch dies setzt voraus, dass die Betroffenen sich noch in einem halbwegs guten Zustand befinden. Bei einem bereits geschwächten Patienten schaden derartige Operationen oft mehr, als dass sie helfen.

Der Wirkstoff Sorafenib kann Leberkrebs-Patienten etwas mehr Lebenszeit schenken. (Bild: Fvasconcellos)

Im Augenblick steht nur ein einziges Medikament zur Verfügung, um fort­geschrittenen Leberkrebs zu behandeln. Der Wirkstoff Sorafenib (Handelsname Nexavar) hemmt verschiedene Signalwege in den Krebszellen und verlangsamt vermutlich so ihr Wachstum. Doch Sorafenib ist weit davon entfernt, den Leberkrebs heilen zu können - im besten Fall verlängert es die Lebenszeit um wenige Monate. Als Kehrseite drohen schwere Neben­wirkungen, und auch der hohe Preis (die Behandlung kostet etwa 4400 Euro im Monat) sorgte für reichlich Kritik.

Kein Ansatzpunkt

Dabei hatte Sorafenib bei seiner Einführung im Jahr 2006 noch für Optimismus gesorgt. Viele Forscher hatten gehofft, dass sich auf dieser Grundlage bald bessere und wirkungsvollere Medikamente entwickeln lassen. Doch heute herrscht Ernüchterung: Allein in den letzten vier Jahren sind fünf große klinische Studien gescheitert, die verschiedene Wirkstoffe an Leberkrebs-Patienten ausgetestet haben1.

Ein großes Problem ist vor allem, dass es bei Leberkrebs keinen offen­sichtlichen Ansatzpunkt für zielgerichtete Therapien gibt. Bei anderen Krebsarten treten gehäuft Mutationen im Erbgut auf, die ein bestimmtes Krebsgen zum Ziel haben. Bei Hautkrebs etwa hat ein zielgerichtetes Medikament gegen das Signalmolekül BRAF zu überraschenden - wenn auch leider noch kurzlebigen - Erfolgen geführt. Doch bei Leberkrebs hat die Analyse des Tumorgenoms noch kein Krebsgen identifiziert, dass eine ähnlich vielversprechende Rolle bei der Medikamenten-Entwicklung spielen könnte.

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Während die Behandlung meist schwierig ist, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Entstehung von Leberkrebs von vornherein zu verhindern. Besonders in wenig entwickelten Länder ist das Hepatitis-B-Virus einer der wichtigsten Auslöser von Leberkrebs - der flächendeckende Einsatz des gut wirksamen Impfstoffs könnte daher viele Leben retten. Das Pilzgift Aflatoxin verstärkt die krebsauslösende Wirkung der Viren - ein Verbesserung der Nahrungsmittel-Qualität könnte zum Erfolgen beitragen.

In reicheren Ländern ist es eher das Hepatitis-C-Virus, der an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt ist. Auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: Seit kurzem ist ein Medikament auf dem Markt, das erstmals chronische Infektionen mit diesem Virus beseitigen kann. Auch sind fettreiche Ernährung und übermäßiger Alkoholgenuss eine wichtiger Auslöser der Erkrankung - auch dies ist ein guter Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 8000 Menschen neu an Leberkrebs - und fast genauso viele sterben auch daran2. Die Todesrate liegt bei annähernd 90 %. Und bislang ist keine Therapie in Sicht, die daran viel ändern könnte. Umso größer muss der Fokus auf der Vorbeugung liegen.

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1 M. Scudellari, Try and try again, Nature, Dezember 2014 (link)
2 Robert Koch-Institut, Krebs in Deutschland 2009/2010 (link)
Der Wirkstoff Sorafenib kann Leberkrebs-Patienten etwas mehr Lebenszeit schenken. (Bild: Fvasconcellos)

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Kurz und knapp

  • frühe Stadien von Leberkrebs lassen sich meist mit Operationen heilen
  • späte Stadien sind schwer zu behandeln und enden meist tödlich
  • der Wirkstoff Sorafenib kann das Leben verlängern, aber nicht den Leberkrebs heilen
  • die Entwicklung neuer Medikamente ist ins Stocken geraten
  • vorbeugende Maßnahmen wie Hepatitis-B-Impfungen könnten die Zahl der Leberkrebsfälle deutlich verringern