Embryonale Stammzellen:
Was sagt die katholische Kirche

In Kürze
Die katholische Kirche fordert ein generelles Verbot der Forschung mit embryonalen Stammzellen - ohne Wenn und Aber. "Jeder Christ muss gegen die Tötung ungeborener Menschen eintreten", erklärte der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa1. Der Vatikan bekräftigt diese Position nachdrücklich in einer bioethischen Instruktion, die für alle Katholiken bindenden Charakter hat.
Die vatikanische Glaubenskongregation hat die Position der katholischen Kirche verbindlich festgelegt. (Foto: W. Stuck)
Die Zerstörung von Embryonen wird darin aufs Schärfste verurteilt und der Erhaltung des menschlichen Lebens höchste Priorität eingeräumt: "Die Frucht der menschlichen Zeugung erfordert ab dem ersten Augenblick ihrer Existenz, also von der Bildung der Zygote an, jene unbedingte Achtung, die man dem Menschen in seiner leiblichen und geistigen Ganzheit sittlich schuldet." (Dignitas personae, Nr. 6)
Kategorisch wendet sich Mixa gegen alle Argumente, die die Forschung mit embryonalen Zellen als ethisch gerechtfertigt
betrachten: "Wer das Lebensrecht des wehrlosen Embryos gegen ungewisse Heilungschancen aus den Ergebnissen der Stammzellenforschung ausspiele, redet dem Gesetz des Stärkeren das Wort". Auch die Argumentation, dass überzählige Embryonen aus der künstlichen Befruchtung ohnehin vernichtet werden, bezeichnet er als "zynisch". Deutschland solle stattdessen den Ehrgeiz aufbringen, bei der Forschung mit adulten Stammzellen eine führende Position einzunehmen1.

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In Kürze

  • die katholische Kirche verurteilt die Forschung mit embryonalen Stammzellen aufs Schärfste
  • dafür soll die Forschung mit adulten Stammzellen ausgebaut werden
Berufen kann sich Mixa darauf auf das Bioethik-Dokument Dignitas personae. "Wenn man den menschlichen Embryo als bloßes "Labormaterial" behandelt, kommt es zu einer Veränderung und Diskriminierung auch bezüglich des Begriffs der Menschenwürde" , heißt es dort im Abschnitt 22. Und: "Es ist in schwerwiegender Weise unmoralisch, ein menschliches Leben für eine therapeutische Zielsetzung zu opfern" (Nr. 30).
Dignitas personae wurde im September 2008 von der vatikanischen Glaubenskongregation vorgelegt, mit aus­drücklicher Billigung von Papst Benedikt XVI. Der rasche biomedi­zinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte wird darin dokumentiert und ethisch bewertet. Das Dokument hat den Rang einer Instruktion und legt somit die Position der gesamten katholischen Kirche verbindlich fest. Die mora­lischen Bedenken gegen die Forschung mit embryonalen Stamm­zellen sind derart kategorisch formuliert, dass ein Abrücken von dieser Position ausgeschlossen werden kann.
Dementsprechend zufrieden reagierte die katholischen Kirche auf ein Gerichtsurteil, dass die Patentierung von embryonalen Stammzellen in Europa untersagt. Denn, so der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, "der Antrag auf Patentierbarkeit menschlicher embryonaler Stammzellen hatte ihre Kommerzialisierung und wirtschaftliche Verwertung zum Ziel"2.
Der Vatikan versucht stattdessen aktiv, die Forschung mit adulten Stammzellen zu unterstützen. Zuerst floss (über Umwege) römisches Geld an eine amerikanische Uni­versität3, um die Forschung an adulten Darm-Stamm­zellen zu fördern. Kurz danach wurde eine Kooperation mit dem Pharma­unternehmen NeoStem eingegangen, um gemeinsam die Öffentlichkeit über die Vorteile von adulten Stammzellen aufzklären4. Und im Herbst 2011 richtete man eine internationale Konferenz über adulte Stammzellen aus5.
1 Katholische Nachrichten, 19. März 2008 (link)
2 Zenit.org, Deutsche Bischofskonferenz: Erfolg für die Menschenwürde, 19. Oktober 2011 (link)
3 Zenit.org, Vatikanklinik an adulter Stammzellforschung beteiligt, 30. April 2010 (link)
4 Katholisches, Kooperation Vatikan - NeoStem zur Förderung adulter Stammzellforschung, 26. Mai 2010 (link)
5 Kathweb, Papst begrüßt Forschung mit adulten Stammzellen, 12. November 2011 (link)
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