April 2017
Dieser Newsletter von wissensschau.de informiert im Abstand von zwei Monaten über jüngste Entwicklungen bei der Gentherapie und den CAR-T-Zellen.

 

Klinische Studien

CAR-T-Zellen erfolgreich bei Non-Hodgkin-Lymphom

STAT

Das US-Unternehmen Kite Pharma meldet positive Zwischendaten seiner ZUMA-1-Studie: 101 Patienten mit fortgeschrittenen Non-Hodgkin-Lymphom wurden mit CAR-T-Zellen behandelt, und bei einem Drittel der Teilnehmer waren nach sechs Monaten alle Anzeichen der Krankheit verschwunden. Bei konventioneller Behandlung kann nur einer von zwölf Patienten auf diesen Ausgang hoffen.

Die Therapie ist jedoch nicht ohne Risiken: Zwei Patienten verstarben an den Nebenwirkungen. Da sich alle Teilnehmer im Endstadium der Krankheit befanden, gilt die Studie dennoch als beeindruckender Erfolg. Kite Pharma wird nun bald eine Marktzulassung in den USA beantragen - es wäre dann der zweite Antrag für CAR-T-Zellen in kurzer Zeit (siehe unten).

Immunschwäche ADA-SCID: Zweite Therapie in Vorbereitung

Journal of Clinical Investigation

Frühe Zulassung schützt nicht vor Konkurrenz: Strimvelis ist die zweite Gentherapie der westlichen Welt, aber US-amerikanische Forscher arbeiten bereits an einer Alternative. In einer Phase-II-Studie behandelten sie zehn Kinder mit der schweren Immunschwäche ADA-SCID, und die Erfolgsrate gleicht der von Strimvelis - beeindruckende 90 Prozent.

Die Amerikaner wollen die Studie nun ausweiten und hoffen langfristig auf eine Zulassung in den USA. Ähnliche Hoffnungen hegt allerdings auch der Hersteller von Strimvelis, GlaxoSmithKline. ADA-SCID trifft jährlich in Europa und den USA zusammen kaum mehr als dreißig Neugeborene: Ob sich unter diesen Umständen zwei unterschiedliche Gentherapien auf dem Markt halten können, bleibt abzuwarten.

Erstmals Patient mit Morbus Fabry behandelt

Universität Calgary

Morbus Fabry ist eine Stoffwechselstörung, die langfristig schwere Schäden in inneren Organen hervorruft. In Deutschland sind 700 Patienten bekannt; die Krankheit wird aber oft nicht erkannt, so dass die Dunkelziffer wohl um ein Vielfaches höher liegt. Die einzig wirksame Behandlung ist eine Enzymersatz-Therapie - mit jährlichen Kosten von etwa 250 000 Euro pro Patient.

Ärzte der Universität Calgary haben im Januar 2017 die weltweit erste Gentherapie bei Morbus Fabry durchgeführt: Ein lentiviraler Vektor transportierte eine korrekte Version des Stoffwechselenzyms α-Galactosidase A in die Blutstammzellen eines 48-jährigen Patienten. Ob der Eingriff erfolgreich war, wird sich erst in einigen Monaten beurteilen lassen.

Methoden

Kleine Genschere für kleine Genfähren

Nature Communications

Die Genschere CRISPR-Cas9 hat viele Vorzüge, aber auch ein Manko - sie ist recht groß. Zu groß zumindest für den Transport in AAV-Genfähren, die zu den bevorzugten Vektoren für die Gentherapie gehören.

Koreanische Forscher fanden nun in dem Bakterium Campylobacter jejuni eine Variante von Cas9, die etwa 30 Prozent kleiner ist. Damit passt sie nicht nur in die kleinen AAV-Fähren, es bleibt auch Platz für zwei RNA-Moleküle und ein Reporter-Protein.

Einen ersten Test bestand die Kombination aus AAV und der Cas9-Variante mit Erfolg: In der Netzhaut von Mäusen inaktivierte sie das Gen eines Wachstumsfaktors, der bei der Entwicklung altersbedingter Erblindung eine wichtige Rolle spielt.

Gentherapie aus der Box

MIT Technology Review

Gentherapien erfordern bislang ein gut ausgerüstetes Labor - in Zukunft genügt vielleicht ein transportables Gerät des deutschen Herstellers Miltenyi. Das Instrument mit Namen Prodigy erlaubt die automatische Aufreinigung von Zellen und deren Behandlung mit viralen Vektoren.

Im Augenblick testen mehrere Firmen das Gerät für die Herstellung von CAR-T-Zellen, Forscher in Seattle haben es zusätzlich für eine HIV-Therapie adaptiert. Einer der Vorteile: Falls Gentherapien unabhängig von zentralen Produktionsstätten werden, erleichtert dies die Behandlung von Patienten in entlegenen Gebieten und Ländern.

Industrie

Novartis stellt Antrag auf Zulassung von CAR-T-Zellen

Forbes

Das Rennen um die erste Zulassung von CAR-T-Zellen tritt in die entscheidende Phase - und der Pharmariese Novartis hat die Pole-Position übernommen. Lange Zeit galt Juno Therapeutics als Favorit, aber eine Serie von Todesfällen warf die US-Firma weit zurück. Kite Pharma konnte kürzlich mit guten Daten glänzen (siehe oben) und schien damit in Führung zu liegen.

Doch Novartis überraschte mit vollendeten Tatsachen - Ende März wurde der Antrag auf Zulassung für die Behandlung einer Form von Leukämie (B-ALL) akzeptiert. Die amerikanische Gesundheitsbehörde hat eine schnelle Begutachtung zugesichert, das Ergebnis soll spätestens in sechs Monaten vorliegen.

(Un)bezahlbare Sehkraft

Xconomy

Die US-Firma Spark Therapeutics steht vor ihrem größten Erfolg, muss zuvor aber eine knifflige Frage beantworten: Welchen Wert hat das Augenlicht? Die Antwort wird großen Einfluss auf den Preis einer Gentherapie für erbliche Erblindung haben, die Spark noch in diesem Jahr auf den Markt bringen könnte.

Soll der Preis vor allem die Ersparnis widerspiegeln, die durch den Wegfall von konventionellen Therapien zustande kommt? Oder wird auch das Wohl des Patienten eingerechnet - erhöhte Lebensqualität etwa oder die Fähigkeit, einem Beruf nachzugehen? Das sind nur einige von vielen grundsätzlichen Fragen, die die Preisgestaltung - und damit auch Zukunft - der Gentherapie maßgeblich bestimmen werden.

Medienspiegel

Hohe Kosten und mysteriöse Tote

Xconomy

CAR-T-Zellen sorgen für Aufsehen - meist wegen ihrer beeindruckende Erfolge bei der Behandlung von Krebs. Doch eine Analyse von Xconomy widmet sich auch den Schattenseiten: Schwere Nebenwirkungen bis hin zum Tod bleiben ein Problem, und über die zu erwartenden Kosten möchten manche Firmen gar nicht erst reden. Und wie steht es um den Durchbruch bei soliden Tumoren?