Das Genom: Verwirrender
Bauplan des Lebens

Die Buchstaben sind entziffert, doch der Sinn bleibt weiterhin verborgen. Überrascht stellten Genom-Forscher fest, dass die Erbinformation aus weit mehr besteht als nur der endlosen Abfolge von DNA-Basen. Im Zellkern stießen sie auf ein verwirrendes Netzwerk - DNA, RNA und Proteine beein-flussen einander mit ständig wechselnden Abhängigkeiten. Fazit: Im Erbgut kann man nicht lesen wie in einem Buch, man muss es in seiner Gesamtheit als System verstehen.
In der DNA steckt die Erbinformation: Ihre Sequenzierung hat mehr Fragen aufgeworfen als gelöst. (Bild: NIH)
Einige althergebrachte Vorstellungen sind nicht mehr zu halten. Das Konzept des Gens macht kaum noch Sinn, und manch einer möchte diesen Begriff am liebsten gleich verbannen. Und was vormals als nutzloser DNA-Schrott galt - also gut 98 % des Erbguts - ist äußerst aktiv und schreibt sich ständig in RNA-Moleküle um. Überhaupt die RNA: Bislang eher das Stiefkind der Forschung, rückt sie mit ihrem Reichtum an Varianten immer mehr ins Zentrum des Interesses.
Mediziner machten sofort Gebrauch von den neuen Möglichkeiten. Die Suche nach den genetischen Grundlagen von Krankheiten bildet nun einen erheblichen Teil der medizinischen Forschung. In Assoziationsstudien vergleicht man das Erbgut tausender Patienten und spürt so auch noch geringste Einflüsse von genetischen Faktoren auf. Man fand allein in den letzten zwei Jahren Risikofaktoren für etwa 70 Krankheiten in mehr als 300 Genombereichen.

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Auch im Alltag werden die Konsequenzen der Genom-Forschung spürbar: Die ersten Anbieter von genetischen Tests drängen auf den Markt. Für etwas Geld kann jeder erfahren, welche Risikofaktoren in seinem Erbgut verborgen sind. Doch nutzt dieses Wissen wirklich etwas?
Die Genom-Forschung hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben. Mit der vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms ist dieser Forschungszweig nicht am Ende - der spannende Teil beginnt erst noch.
Komplizierter als erwartet: Das Wechselspiel von DNA, RNA und Proteinen ist weit davon entfernt, verstanden zu sein.

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